Energie

Erste Biogasanlage in Berlin ist schon umstritten

Mit dem symbolischen ersten Spatenstich von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) startete am Freitag die Bauphase der ersten Biogasanlage Berlins. Das Projekt ist nicht unumstritten. Die neue Biogasanlage der Berliner Stadtreinigung (BSR) in Spandau sei auf einem alten Stand der Technik und stoße zuviel klimaschädliches Methan aus, sagen die Kritiker.

Thomas Rücker, der verantwortliche Abteilungsleiter Bioabfall der BSR, weist die Vorwürfe zurück: Es sei die bundesweit modernste Anlage zur Vergärung von Bioabfällen. "Der Bioabfall, den unsere Müllfahrzeuge abholen, wird in der neuen Anlage zu Bio-Methan aufbereitet, das direkt am Standort ins Erdgasnetz eingespeist wird", sagt der Experte. Rund 60 000 Tonnen Bioabfall verarbeitet die Anlage im Jahr und gewinnt damit rund 4,5 Millionen Kubikmeter Biomethan. "Damit betreiben wir rund 150 Müllfahrzeuge." Somit spare die BSR rund 2,5 Millionen Liter Diesel im Jahr. "Über die Hälfte des gesamten Mülls Berlins sammeln wir in Zukunft klimaneutral", wirbt Rücker für das Projekt.

Unumstritten ist das Prinzip der Biogasanlage. Rückert vergleicht dieses mit dem biologischen Prozess von Wiederkäuern: Im ersten Schritt (Hydrolyse) wird der Bioabfall in seine chemischen Einzelteile zersetzt, indem er mit Wasser reagiert (ähnlich dem Speichel und Kauen der Kuh). Säurebildende Mikroorganismen bilden aus den Produkten Essigsäure, Wasserstoff und Kohlendioxid, die Ausgangsstoffe für das Methan (vergleichbar mit Kuhmägen). Als Nebenprodukt entsteht der sogenannte Gärrest. Rücker relativiert das ausströmende Methangas: "Das entspricht ungefähr der Menge, die ein Kuhstall mit 200 bis 300 Kühen im Jahr produziert", sagt der BSR-Manager.

Eine fahrlässige Verniedlichung, findet Gudrun Pinn vom Landesverein der Umweltberater in Berlin und Brandenburg (LAUB e.V.). Sie wirft der BSR Planungsfehler vor, denn eine klimafreundlichere Anlage sei nicht kompliziert gewesen: "Man hätte die Methan-Emission leicht über eine zusätzliche Leitung in die nahegelegene Müllverbrennungsanlage leiten können, um sie dort zu verbrennen", kritisiert Pinn. Rücker: "Wir haben alles technisch Mögliche gemacht." Die Anlage soll im Frühjahr 2013 in Betrieb gehen.