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Die SPD setzt im Wahlkampf alles auf eine Karte

Höher hinaus geht es für Klaus Wowereit am Freitag nicht: Im 37. Stockwerk des Hotels Park Inn ist Schluss. Höher fährt der Fahrstuhl nicht. Aber nicht der Blick über Berlin soll das Ereignis an diesem Tag sein, sondern der Blick auf Wowereit.

Die Berliner SPD präsentiert in luftiger Höhe am Alexanderplatz die neue Plakatkampagne für den Wahlkampf. Und da wird der Regierende Bürgermeister gebissen.

Vier Motive werden die Berliner in den nächsten Tagen auf Großplakatwänden in der Stadt sehen. Immer darauf zu sehen ist der Kandidat, der für die SPD die Wahl gewinnen soll. Mal lässt sich Amtsinhaber Wowereit von Jugendlichen mit dem Handy per Selbstauslöser fotografieren, dann hält er einer älteren Dame die Hand. Und auch Schnappi schlägt zu: Ein Kind versucht mit einer Krokodil-Handpuppe Wowereits Nase abzubeißen. Das vierte Motiv zeigt Wowereit schließlich ganz allein. Alle Bilder sind in schwarz-weiß gehalten und stammen aus der Bezirkstour, die Wowereit vor einigen Monaten absolvierte. Sie sollen den bürgernahen Wowereit zeigen. Inhaltliche Botschaften gibt es nicht. Lediglich das Wahlkampfmotto der SPD "Berlin verstehen" ist dort zu lesen.

"Wer bei der ersten Plakatstaffel die Angst hatte, dass Klaus Wowereit nicht häufig genug zu sehen ist, dem wird heute die Besorgnis genommen", sagte Wowereit - voller Ironie. Denn der ganze Wahlkampf der SPD ist auf ihn zugeschnitten.

Dass es jetzt ernst wird im Wahlkampf zeigt auch die Ankündigung des Landes- und Fraktionsvorsitzenden Michael Müller, der ein "powerplay 35" versprach. An jedem Tag der letzten 35 Tage vor dem Wahltag am 18. September soll nun in jedem Bezirk eine größere SPD-Wahlkampfveranstaltung stattfinden. Insgesamt sind das 420 Veranstaltungen. "Wir legen noch einmal eine Schippe drauf", sagte Müller. So nutzte die Partei die Veranstaltung am Freitag auch, um ihre zwölf Kandidaten für die Bürgermeisterposten in den zwölf Berliner Bezirken vorzustellen.

Die SPD ist nicht die einzige Partei, die mit dem Ende der Sommerferien den Wahlkampf forciert. Am Freitag präsentierte die FDP ihre Unterstützungskampagne durch die Nachwuchsorganisation der Julis. Und auch Grüne, Linke und CDU wollen in den nächsten Wochen massiv um Wählerstimmen werben. So werden die Grünen auch ihre Spitzenkandidatin Renate Künast noch mehr als in der ersten Phase im Stadtbild plakatieren.

Für welche Koalition es am Ende reicht, ist nach der letzten Umfrage noch offen. Sowohl SPD und Grüne, als auch Grüne und CDU sowie SPD und CDU könnten den neuen Senat bilden.

Die Sozialdemokraten jedenfalls wissen schon, wo sie am Abend des 18. September feiern werden: In der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg. Das gab SPD-Landeschef Müller am Freitag bekannt.