Stalking

"Klarmachen, dass man keinen Kontakt will"

Stalking wird als Straftat nicht ausreichend ernst genommen, sagt Erika Schindecker, Vorsitzende der Deutschen Stalking-Opferhilfe. Eva Lindner hat mit ihr gesprochen.

Berliner Morgenpost: Frau Schindecker, was ist Stalking?

Erika Schindecker: Von Stalking spricht man, wenn Nachstellen und Belästigungen über einen längeren Zeitraum hinweg permanent erfolgen, obwohl das Opfer deutlich gemacht hat, dass es keinen Kontakt will. Stalking geht über Anrufe, SMS, Briefe, Geschenke bis hin zu Auflauern und Nachstellen.

Berliner Morgenpost: Wie können sich Opfer wehren?

Erika Schindecker: Das Wichtigste ist, ganz deutlich klarzumachen, dass man keinen Kontakt will. Häufig kommt es bei sogenannten letzten Gesprächen zu Übergriffen. Außerdem sollten das persönliche Umfeld und die Polizei informiert werden. Dafür ist es wichtig, alle Handlungen des Täters in einem Stalking-Tagebuch zu dokumentieren. Darin sollte jeder Anruf, jeder Brief und Dialog aufgelistet werden. Geschenke und SMS sollte man als Beweis aufheben.

Berliner Morgenpost: Was kritisieren Sie an den Behörden?

Erika Schindecker: Oft werden die Opfer nicht ernst genommen. Dann fallen schon mal Sätze wie "Die soll doch froh sein, wenn sie angemacht wird". Das ist demütigend für die Opfer. Allerdings gibt es auch viele Menschen mit Verfolgungswahn, die muss man herausfiltern. Zwei von zehn meiner Beratungsfälle leiden unter Verfolgungswahn.

Berliner Morgenpost: Welches Profil hat ein Stalker?

Erika Schindecker: Die Täter haben meist ein geringes Selbstbewusstsein, sind aber oft hochintelligent. Fast alle haben schwere Persönlichkeitsstörungen.

Berliner Morgenpost: Wie gefährlich ist Stalking?

Erika Schindecker: Es ist ein Psychoterror, der auf die Menschen zukommt und meist mit posttraumatischen Belastungsstörungen der Opfer einhergeht. Die Opfer wissen nie, wann der Täter wiederkommt und wie weit er geht. In manchen Fällen kommt es sogar zum Mord.