Partnerschaft

"Im Rückblick ist das wie ein Kinofilm"

Als die Notärztin Mitte Juli kam, gab es wieder diese Frage. Ob Gudrun Pannier wisse, was das Beste sei für Angelika Pannier und ihre Krankheit, Multiple Sklerose - eine Einweisung ins Krankenhaus? "Wenn das jemand weiß, dann ich", hat Gudrun Pannier geantwortet.

"Das ist meine Frau. Wir sind seit zehn Jahren verheiratet." Die Patientin kam in die Klinik.

Es gibt nicht nur bei Ärzten immer noch ein kurzes Innehalten, diesen leicht erstaunten Blick, wenn Gudrun Pannier das so selbstverständlich sagt: meine Frau. Vor zehn Jahren, am 1. August 2001, waren Angelika Pannier und sie das erste lesbische Paar, das sich in Deutschland nach dem neuen Lebenspartnerschaftsgesetz das Jawort gab. Die Bilder ihrer Hochzeit im Rathaus Schöneberg gingen um die Welt. Szenen mit zwei Frauen im Frack, Rosen und Küsse. "Im Rückblick ist das wie ein Kinofilm", sagt Gudrun Pannier. Sie bereut den Medienrummel nicht.

Doch dem Paar ging es nicht um den Sensationseffekt. Gudrun und Angelika Pannier wollten Rechte, die für Ehepaare selbstverständlich sind: Mitversicherung in der Krankenkasse, Auskunftsrecht und Verfügungen im Notfall, gemeinsame Abschlüsse von Verträgen bis hin zur Patientenverfügung. Auch ein gemeinsamer Name war ihnen wichtig.

Als sie sich kennenlernten, Anfang der 90er-Jahre, waren Angelika und Gudrun Mitte 20, ein frisch verliebtes Ost-West-Paar in Berlin nach dem Mauerfall. Es war eine enthusiastische Zeit. Doch eines der ersten persönlichen Dinge, die Angelika Pannier ihrer Freundin anvertraute, war der Satz: "Ich habe Multiple Sklerose." Damals konnte sie noch laufen.

Die Liebe hielt. 1995 kaufte sich das Paar Ringe und tauschte sie am 5. Januar heimlich vor dem Altar im Berliner Dom. "Mit ein paar Touristen als Trauzeugen", erinnert sich Gudrun Pannier. Für beide ist dieser Tag wichtiger als der 1. August, den sie dieses Jahr im Krankenhaus verbringen. Beide sind nun 46. Wer weiß, wie viel gemeinsame Zeit noch bleibt. Eine Hochzeitsreise hat das Paar bis heute nicht gemacht. Kein Geld. Gudrun und Angelika Pannier war es wichtiger, ihre Altbauwohnung so umzubauen, dass sie für Rollstuhl und Katzen taugt.

Wenn sie an die Akzeptanz von Homosexualität in der Gesellschaft denkt, macht Gudrun Pannier Unterschiede. "Schwule haben es definitiv schwerer als Lesben", meint sie. Wenn sich Männer küssten, hätten viele heterosexuelle Männer damit Probleme. Bei Frauen fänden das manche dagegen sogar sexy.

Anderen schwulen oder lesbischen Paaren rät Gudrun Pannier heute zur Hochzeit - aus guter Erfahrung. Doch es ärgert sie, dass es offiziell nicht Ehe heißt, sondern Lebenspartnerschaft. Ein feiner Unterschied, der sich bis ins Steuerrecht zieht. Ehegatten-Splitting gilt für homosexuelle Paare nicht. Auch die Kirchen zierten sich, homosexuelle Paare zu trauen, kritisiert Pannier, studierte Theologin. Sie sieht Schwule und Lesben trotz der Errungenschaften auf einem langen Weg: "Erst wenn der Papst im Vatikan ein schwules Paar traut, haben wir es geschafft."