Dauerregen

Umgestürzte Bäume, vollgelaufene Keller

Überschwemmte Laubenkolonien, entwurzelte Bäume, nasse Keller - das Tiefdruckgebiet "Quentin" hat in Berlin über das Wochenende einige Verwüstung hinterlassen, bevor es nach Polen abgezogen ist. Am schlimmsten traf es die etwa 80 Parzellenbesitzer in der Köpenicker Kleingartenkolonie Erpetal im Stadtteil Friedrichshagen.

Ihre Lauben standen am Sonntagmorgen stellenweise bis zu einem Meter unter Wasser. Das sonst harmlose Neuenhagener Mühlenfließ, der wenige Hundert Meter südlich in die Müggelspree mündet, war über die Ufer getreten.

Hochleistungspumpen im Einsatz

Die Feuerwehr war seit dem ersten Alarm um 4.30 Uhr den ganzen Sonntag über mit dem Kampf gegen die Wassermassen beschäftigt. Dabei wurde die Berufsfeuerwehr von den örtlichen Freiwilligen Wehren unterstützt. Zunächst setzten sie eine, dann zwei Hochleistungspumpen ein, um das geflutete Parzellengebiet trockenzulegen. "Der ständig schwankende Wasserstand im Mühlenfließ stellt uns vor Probleme", hieß es in der Feuerwehrleitzentrale. Die Wiesen im angrenzenden Landkreis Märkisch-Oderland waren durch den Dauerregen so durchfeuchtet und an vielen Stellen überschwemmt, dass sich die Wassermassen über Gräben und Bäche ihren Weg meist in den Neuenhagener Mühlenfließ suchten. So musste das Abpumpen mehrfach gedrosselt werden, um den Pegelstand des Grabens in Grenzen zu halten.

Zudem begann die Feuerwehr am Mittag, auf flussabwärts gelegenen Grundstücken in Köpenick die Zugänge zu Kellern mit Sandsäcken abzusichern. Bis zum Abend dauerte die vorsorgliche Maßnahme an. Insgesamt vier Mal wurden die Einsatzkräfte vor Ort ausgewechselt.

Stadtweit zählte die Feuerwehr am Sonntag mehr als 60 Einsätze, darunter 35 Wasserschäden. Hinzu kam die Sicherung von losen Bauteilen an Gebäuden und umgestürzten Bäumen. Viele hatten ihre Standfestigkeit verloren, weil das Erdreich rund um die Wurzeln völlig durchnässt war.

Die Tauentzienstraße musste am Nachmittag kurz gesperrt werden, weil ein Kurzschluss in einem Stromverteiler einen Brand ausgelöst hatte. Laut Feuerwehr war Regenwasser zuvor in den Baustromkasten eingedrungen. Bereits am Sonnabend musste die Feuerwehr zu 120 wetterbedingten Einsätzen ausrücken. Undichte Dächer, einige vollgelaufene Keller sowie herabgestürzte größere Äste waren die häufigsten Einsatzgründe.

Größeren Ärger hatten die Autofahrer beim Passieren der Avus-Baustelle im Bereich Hüttenweg. Da dort die Gefahr bestand, dass die Fahrbahnen unterspült wurden, musste die ohnehin verengte Durchfahrt auf eine Spur verringert werden. Erhebliche Rückstaus waren am Sonnabend und Sonntag die Folge. Erschwerend kam hinzu, dass auch der Autobahntunnel der A 100 unter dem Innsbrucker Platz bis Montagfrüh um 5 Uhr wegen Bauarbeiten in Richtung Funkturm gesperrt war und zusätzlich etliche Tausend Autofahrer im Stau standen.

Am Sonntagmorgen hob der Deutsche Wetterdienst die Unwetterwarnung für Berlin und weite Teile Brandenburgs wieder auf. Am heutigen Montag sei eine Wetterbesserung zu erwarten, so die Meteorologen. Das Hoch "Janet" verspricht zumindest eine kurzzeitige Rückkehr des Sommers mit Sonnenschein und deutlich höheren Temperaturen von Dienstag an.

Das Sommer-Comeback soll jedoch nur drei Tage anhalten. Grund ist ein weiteres Tief über dem Atlantik, das von Westen kommend ab Donnerstag das Wetter in der Region bestimmen wird.

Viel zu viel Regen

Mit dem Dauerregen schlägt der Juli 2011 alle Rekorde. Innerhalb von drei Tagen prasselte fast doppelt so viel Niederschlag auf die Hauptstadt ein wie sonst in einem ganzen Monat Juli, meldete der Wetterdienst Meteomedia am Sonntag. Auch in Brandenburg wurde die normale Niederschlagsmenge um ein Vielfaches überschritten. In Berlin, wo eine Niederschlagsmenge von 55 Litern pro Quadratmeter im ganzen Monat Juli normal ist, fiel mit fast 100 Litern allein zwischen Donnerstag- und Sonntagmorgen doppelt so viel. Gefreut haben sich allenfalls Schnecken und Pilze. In den Freibädern, Gartenlokalen und Biergärten herrschte dagegen Tristesse.

In der Beobachtungsstation von Meteogroup in Dahlem wurden im gesamten Monat Juli 200,4 Liter pro Quadratmeter gemessen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1908. Nach Angaben von Meteogroup-Sprecher Ronny Büttner stammt der bisherige Höchstwert mit 195 Litern aus dem Jahr 1922. Zugleich sei der Juli nach dem August 1948 der bisher zweitregenreichste Monat überhaupt gewesen.

Allein von Donnerstag bis Sonntagmorgen fielen in Dahlem den Angaben zufolge 86 Liter Regen pro Quadratmeter, in Ahrensfelde waren es sogar mehr als 100 Liter. In der nördlichen Uckermark wurden in diesen drei Tagen 81 Liter und in Potsdam rund 80 Liter pro Quadratmeter gemessen.