Bildung

Jetzt bekommen auch Lehrer Noten - von den Schülern

Im kommenden Schuljahr bekommen auch Lehrer Zensuren - und zwar von ihren Schülern. Das ist eine der Maßnahmen aus dem sogenannten Qualitätspaket von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), das für bessere Lernergebnisse an den Schulen sorgen soll. Die Schüler vergeben die Noten über ein Internetportal des Instituts für Schulqualität (ISQ).

Bereits vor drei Jahren hat das ISQ eine Webseite zur sogenannten Selbstevaluation - also ein Verfahren für Lehrer zur Bewertung der eigenen Arbeit - geschaltet. Doch freiwillig nutzten diese Möglichkeit vorrangig engagierte Lehrer, die wenige Probleme damit hatten. Nun müssen alle Lehrer mindestens ein Mal in zwei Jahren das ISQ-Portal nutzen.

Schüler ab der dritten Klasse können dort ihre Bewertungen abgeben. Sie erhalten dazu einen Fragebogen mit maximal 70 Kriterien. Die Lehrer haben die allerdings Möglichkeit, einzelne Bewertungskomplexe für sich auszuschließen.

Die Schüler können dann per Mausklick ankreuzen, ob der Lehrer deutlich spricht, pünktlich erscheint und fair ist, ob die Aufgaben aus dem realen Leben stammen oder ob der Lehrer im Unterricht für Ruhe sorgen kann. Neben diesen allgemeinen Fragen gibt es auch spezielle Kriterien zu den einzelnen Fächern.

Ein Code für jeden Schüler sorgt dafür, dass sie anonym bleiben, wenn sie Noten zwischen 1 (stimmt genau) und 4 (stimmt gar nicht) geben. Grundschulkinder vergeben Smilies und rote Punkte. Die Fragen seien altersgerecht gestaltet, heißt es. Die Beantwortung der Fragen dauert etwa eine Viertelstunde. Während die Schüler ihre Kreuze machen, schätzt sich der Lehrer auch selbst ein. So werden mögliche Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung sichtbar. Sekunden später spuckt der Computer die Auswertung aus.

Wie die Lehrer damit umgehen, bleibt ihnen überlassen. Im Unterschied zu umstrittenen Bewertungsportalen im Internet - wie spickmich.de - werden die Ergebnisse nicht öffentlich. Der Lehrer kann die Auswertung für sich behalten oder auch nutzen, um mit den Schülern über die Gestaltung des Unterrichts zu sprechen. Schulinspektionen hatten ergeben, dass Schüler zwar bei der Gestaltung der Klassenräume und der Sauberkeit der Toiletten häufig einbezogen werden, selten dagegen bei der Gestaltung des Unterrichts. "Diese systematische Rückmeldung führt zur kontinuierlichen Qualitätsverbesserung und vermittelt den Schülern ein Gefühl der Wertschätzung, da ihre Meinung zählt", hofft Zöllner.

Der Bildungssenator hatte die Lehrerbewertung zunächst nur für Schulen vorgesehen, die in Vergleichsarbeiten oder Prüfungen besonders schlecht abschnitten. Die Schulleiter hatten jedoch in der Debatte über das Qualitätspaket dieses Verfahren für alle Schulen befürwortet. Das Institut für Schulqualität will Stärken und Schwächen der Berliner Lehrer analysieren, wenn sich ausreichend Pädagogen an der Bewertung beteiligt haben.