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Auf Kissen gebettet: Im "Kahn der Sinne" durch den Spreewald

Natürlich muss der Spreewald per Kahn erkundet werden - aber wer hat eigentlich behauptet, dass man darin sitzen muss? Zugegeben, für Spaziergänger am Ufer sieht es vielleicht ein wenig seltsam aus, wenn da ein Pärchen auf einem Kahn liegt, sich gemütlich auf einem Kissen rekelt und ganz versonnen gen Himmel blickt, während das hölzerne Boot fast lautlos durchs Wasser gleitet.

Doch dem Pärchen ist das herzlich egal, das hat schließlich eine "Reise zum Abschalten" gebucht. Von Burg aus starten die Touren im "Kahn der Sinne". Statt mit Sitzreihen sind die Kähne mit vier großen Liegekissen ausgestattet. Und die Fährleute staken mit ihren Gästen auf sehr stillen Fließen. "Wir suchen extra ruhige Routen aus, wo kein anderer Kahn oder viele Paddler den Genuss stören", sagt der Burger Hafenchef Dirk Meier. Die Stille ist betörend. Selbst die sonst so gesprächigen Fährleute, die sonst immer zu einem Scherz aufgelegt sind, schweigen auf den umgerüsteten Booten. Auf denen finden maximal vier Personen Platz. Aber es müssen ja nicht alle vier Kissen belegt sein ...

Was an den Touren so verlockend ist: Man erlebt den Spreewald aus völlig neuer Perspektive. Der Blick geht in die Baumkronen. Ab und an bahnt sich ein Sonnenstrahl seinen Weg durch das dichte Blätterdach, eine Libelle fliegt durch das idyllische Bild. Vögel sorgen für die klangliche Untermalung. Hier gibt es das Gezwitscher, das in mancher Saunalandschaft vom Band eingespielt wird, sozusagen als "Livekonzert". Wenn plötzlich ein schriller Pfiff ertönt, könnte der von einem Eisvogel stammen. Der ist im Spreewald ebenso zu Hause wie der Wiedehopf, der Brachvogel und andere gefährdete Arten.

Auch die Flora sei hier so vielfältig wie kaum irgendwo anders, ist Peter Franke überzeugt. "Wenn Noah den Spreewald gekannt hätte, hätte er ihn mit auf seine Arche genommen", sagt der Hotelier und Gastronom lachend. Vor zwei Jahren hat der umtriebige "Spreewaldkoch" seine Kräutermanufaktur in Burg eröffnet, in einem mehr als 150 Jahre alten Spreewaldhaus auf dem Schlossberg. Unter seiner fachlichen Anleitung stellen große und kleine Besucher hier in Kursen Fruchtaufstrich und Sirup, Kräuter- und Teemischungen, Kräuteressige und -öle her. Die Zutaten kommen frisch aus dem angrenzenden Arznei- und Gewürzpflanzengarten und von seinen Streuobstwiesen. Bei der Einkochwerkstatt am 28. August lernen die Gäste, Obst und Gemüse haltbar zu machen, das im August auf den Wiesen und Feldern der Region gereift ist. Beliebt sind auch Frankes Wildkräuterspaziergänge (jeden Mittwoch, 10 und 14 Uhr). Dann bittet er seine Gäste, die Augen zu schließen, und führt sie an der Hand über die Wiesen - hin zu allerlei Essbarem wie Giersch, Spitzwegerich, Löwenzahn oder Schafgarbe.

Infos zu den Touren auf dem "Kahn der Sinne" im Netz unter www.naturreisen-brandenburg.de

Infos zur Kräutermanufaktur unter www.spreewald-kraeutermanufaktur.de