CDU

Kandidat Henkel nimmt den Bus

Frank Henkel tauscht den Dienstwagen gegen einen Bus. Der Spitzenkandidat der Berliner CDU für die Abgeordnetenhauswahl will Berlinern seine Stadt zeigen. Als Stadtführer. Mit persönlichen Eindrücken und natürlich viel Politik.

Vier Mal wird die Berliner CDU ihren Kandidaten für das Amt des Regierenden Bürgermeisters auf Stadttour schicken. Im doppelstöckigen Sightseeingbus wird Henkel jeweils 70 Berlinern in drei bis vier Stunden Berlin zeigen und durch Kieze fahren, um auf Missstände aufmerksam zu machen. Das wird aber nicht die einzige Wahlwerbung in den kommenden Wochen sein.

"Wir werden jetzt noch einen Zahn zulegen", sagte Henkel am Montag bei der Vorstellung des Wahlkampfkonzepts bis zur Abgeordnetenhauswahl am 18. September. "Damit sich was ändert" lautet das Wahlkampfmotto. Ganz in der Tradition der bisherigen Aktionen. Denn zuerst fragte die CDU "Was muss sich ändern?" und bat die Berliner per Internet-Dialog um Ideen für ein Wahlprogramm. Dann präsentierte die Hauptstadtunion nach internen Debatten ihr Programm unter dem Titel "Das muss sich ändern". Und "Damit sich was ändert" soll nun der Slogan werden, mit dem die CDU am 18. September möglichst gut abschneiden will.

Ändern muss sich vor allem die Zustimmung zur Union. In Umfragen liegt die Partei bei etwa 20 Prozent. Um mehr Stimmen zu bekommen, wird die Berliner CDU viel Geld ausgeben. Der Wahlkampfetat liegt bei einer Million Euro. "Das sind 40 Prozent mehr als noch 2006", sagte der Wahlkampfleiter der Union, Generalsekretär Bernd Krömer, am Montag. Im Jahr 2006 fand der Wahlkampf mit dem damaligen Spitzenkandidaten Friedbert Pflüger statt. Pflüger holte für die Union nur 21,3 Prozent der Stimmen. Das deutliche Plus auf dem Guthabenkonto für den Wahlkampf kommt laut Henkel durch geringere Ausgaben und durch höhere Spenden zustande. Neue Schulden macht die Union für den Wahlkampf nicht. "Mit dem Spendenaufkommen bin ich sehr zufrieden", sagte Henkel.

Im Hemd, ohne Krawatte

So läuft in den nächsten Wochen die Wahlkampfmaschine der CDU an. 40 000 Plakate will die Union in Berlin aufhängen. Sie zeigen einen Spitzenkandidaten, der seinen Pullover abgelegt hat. Henkel wird nun nicht wie im Frühjahr mit seinem schwarzen Lieblingspullover, sondern im weißen Hemd präsentiert. Betont lässig. Ohne Krawatte. Aber in Schwarz-Weiß. "Da bleiben wir unserer Linie treu. Ein Porträt ohne Anzug und Krawatte ist persönlicher", erklärte Krömer die Strategie. In den Umfragen hatte Henkel in den vergangenen Monaten einen klaren Rückstand bei den Bekanntheitswerten im Vergleich zu Amtsinhaber Klaus Wowereit (SPD) und der Grünen-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Renate Künast. Das soll sich mit der zunehmenden Intensität im Wahlkampf ändern.

Dazu kommen Anzeigen und Steckaktionen für 250 000 Haushalte. "Wir wollen erreichen, dass am Ende des Wahlkampfs jeder Haushalt mindestens einmal Informationen von der CDU erhalten hat", sagte Generalsekretär Krömer.

Der Wahlkampf wird zentral organisiert am Wittenbergplatz. Dort hat die Landesgeschäftsstelle ihren Sitz. Sie ist nun die Wahlkampfzentrale - und das sieht man, wenn man auf den Boden guckt. Den langen Flur, von dem die Büros abgehen, ziert nun eine blaue Laufbahn. "Zielgerade" ist dort zu lesen. Rechts und links der Bahn finden sich vor den Bürotüren Begriffe wie Kapitän (vor Henkels Zimmer), Doping (vor der Kaffeeküche) oder Fankurve (für Mitarbeiter). Das alles soll das Teamgefühl stärken. Denn statt der zehn Angestellten arbeiten im Wahlkampf nun knapp 30 CDU-Mitglieder in der Zentrale. Sogar einen Kicker hat die Wahlkampfführung aufgestellt. "Damit man sich mal erholen kann, wenn die Köpfe zu sehr rauchen", sagte Krömer.

In der Wahlkampfzentrale können sich auch die Berliner melden, die mit Henkel auf Rundfahrt gehen wollen (Tel. 32 69 040). Eine Anmeldung ist auch per E-Mail möglich unter berlinerfahren@cduberlin.de . Schon am Montag gab es laut einer Mitarbeiterin in der Landesgeschäftsstelle die ersten Anfragen. Unterstützung bekommt die Landes-CDU auch von der Bundesprominenz. Zum offiziellen Wahlkampfauftakt - offiziell, weil der Wahlkampf ja schon seit Wochen läuft - kommt am 19. Juli der Fraktionsvorsitzende von CDU und CSU im Bundestag, Volker Kauder, zur Berliner Union.

Versprechen der Kanzlerin

Neben etlichen Bundesministern wird auch die Bundeskanzlerin und Parteivorsitzende Angela Merkel Henkel im Wahlkampf persönlich unterstützen. Zwei Auftritte sind geplant: am 9. September am Checkpoint Charlie in Kreuzberg und unmittelbar vor dem Abstimmungstermin am 16. September zum Abschluss des Wahlkampfs auf dem Kranoldplatz in Lichterfelde. Dass die Bundeskanzlerin nicht auf einem zentralen Platz wie am Brandenburger Tor oder dem Wittenbergplatz spricht, hat gleich mehrere Gründe. Zum einen ist Lichterfelde "CDU-Land". "Dort sind wir gut organisiert", sagte Wahlkampfleiter Krömer. In Lichterfelde leben viele Unionsanhänger. Bilder wie beim verkorksten Wahlkampf 2001, als auf dem Alexanderplatz bei einer Veranstaltung Eier auf den damaligen Spitzenkandidaten Frank Steffel, den damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber (CSU) und Angela Merkel geworfen wurden, sollen unbedingt vermieden werden.

Und es gibt noch einen Grund - nämlich ein Versprechen, an das der stellvertretende CDU-Parteivorsitzende Michael Braun erinnerte: Vor fünf Jahren war Merkel schon einmal im Wahlkampf auf dem Kranoldplatz. Damals grummelten die Lichterfelder, so Braun. Denn die Kanzlerin hatte gesagt, sie freue sich, in Lichtenrade zu sein. Sogleich verbesserte sie sich: "in Lichterfelde zu sein" und versprach: "Dann komme ich noch ein zweites Mal." In diesem Jahr macht sie es wahr.