Sozialpolitik

Jedes dritte Kind lebt in Armut

In Berlin leben derzeit fast 170 000 Kinder in Armut. Jedes dritte Kind ist demnach Teil einer Familie, die von Sozialleistungen abhängig ist. Das geht aus der Antwort der Sozialverwaltung auf eine kleine Anfrage der Linkspartei hervor. Insgesamt gibt es 495 000 Minderjährige in der Stadt.

Die meisten von Sozialleistungen abhängigen Kinder und Jugendlichen wohnen nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit in den Bezirken Mitte (26 370) und Neukölln (25 401). Es folgen Tempelhof-Schöneberg (14 787), Marzahn-Hellersdorf (14 463) und Spandau (13 535). Die wenigsten armen Kinder leben in Steglitz-Zehlendorf (6595) und Treptow-Köpenick (7147). Vor allem die Kleinsten sind den Angaben zufolge von Armut bedroht. Jedes zweite betroffene Kind ist unter acht Jahre alt. Bei den 8- bis 14-Jährigen und den 14- bis 18-Jährigen liegt die Zahl deutlich darunter.

Allerdings verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit einen leichten Rückgang der Haushalte, die Transferleistungen beziehen. Gab es vor vier Jahren noch 331 100 sogenannte Bedarfsgemeinschaften, so waren es im vergangenen Jahr noch 326 000. Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung belegt Berlin damit dennoch den letzten Platz bundesweit. Nirgendwo sonst leben so viele Kinder in armen Familien wie in der Hauptstadt (35,1 Prozent). Es folgen Bremen und Sachsen-Anhalt mit jeweils 30 Prozent. In Baden-Württemberg und Bayern liegt die Quote bei 8,3 und 7,4 Prozent.

Nach Erkenntnissen des "Monitoring Soziale Stadtentwicklung" ballt sich die Armut vor allem in den fünf Problemstadtteilen Wedding/Moabit, Kreuzberg-Nordost, Neukölln-Nord, Nord-Marzahn/Nord-Hellersdorf und Spandau-Mitte. Um die Situation der Kinder und Jugendlichen in armen Familien zu verbessern, hatte die Bundesregierung Anfang des Jahres das sogenannte Bildungspaket beschlossen, mit dem Eltern finanzielle Unterstützung für Nachhilfe und die Beiträge für den Sportverein erhalten sollen. Doch das Programm wird in Berlin derzeit schlecht angenommen. Lediglich 13,2 Prozent der leistungsberechtigten Kinder und Jugendlichen haben bislang Anträge bei den Jobcentern, Wohngeld- und Sozialämtern gestellt. Kritik gibt es vor allem am bürokratischen Aufwand, den Betroffene und Einrichtungen bewältigen müssen, bevor das Geld fließt.

Die zuständigen Bezirksbürgermeister geben aber auch der Umsetzung durch den Senat schlechte Noten. Aus Sicht des Rats der Bürgermeister werde der Senat seinem Anspruch nach einer unbürokratischen, lebensnahen und bürgerfreundlichen Umsetzung des Pakets nicht gerecht, hatte Neuköllns Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) in einer Vorlage für den Rat der Bürgermeister geschrieben. Das Realisierungskonzept sei "ausgesprochen unbefriedigend", es gebe "zersplitterte Zuständigkeiten" und einen "immensen Verwaltungsaufwand".

Der Senat sieht die Schuld jedoch bei der Bundesregierung. "Der Senat hat bereits deutlich gemacht, dass er die durch Bundesrecht vorgegebene Bürokratie zur Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets bedauert", heißt es in der Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Margrit Barth (Linke). Die Kritik daran sei nachvollziehbar. "Dennoch ergeben sich aus der Sicht der betroffenen Familien und Kinder erweiterte Möglichkeiten der Partizipation, dies so gut es geht im Interesse der Kinder umzusetzen gilt", heißt es in der Antwort abschließend.