All Nations Festival

In 27 Stationen um die Welt

Im Eingangsbereich der Botschaft von Kenia streckt der Berliner Bär seine Pfoten in die Höhe, die Skulptur trägt die Landesfarben des ostafrikanischen Staates: schwarz, rot, grün.

"Morgen präsentieren wir den Berlinern unser Land und unsere Kultur. Wir zeigen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede", sagt Rosemarie Owino, Leiterin der Botschaftskanzlei. Dass die Unterschiede zwischen Kenia und Deutschland weit über den einen Farbstreifen der Landesflaggen hinausgehen, soll ein Kurzausflug nach Afrika zeigen. Owino deutet auf eine Glasvitrine im Besprechungsraum der Botschaft, in der handgetöpferte Schalen der Massai, die im Süden Kenias leben, und landestypischer Perlenschmuck liegen. "Für das All Nations Festival bauen wir vor unserem Gebäude zahlreiche Stände auf, an denen wir die Stücke zeigen", so die Kenianerin.

Es ist ein weltumspannender Tag der offenen Tür, für den sich auch das Haus von Rosemarie Owino (Markgrafenstraße 63) herausputzt: Am heutigen Sonnabend laden 27 Botschaften in der Hauptstadt von 11 bis 18 Uhr zu einer Reise rund um den Globus ein. Bereits zum elften Mal gewähren sie den Berlinern Einblicke in die internationale Diplomatie, vor allem aber zeigen sie Kultur und Leben ihrer Länder.

"An diesem Tag wollen wir die ausländischen Diplomaten mit Berliner Bürgern zusammenbringen", sagt Carsten Diercks, Koordinator der Berliner Gesellschaft für internationale Begegnung (BGiB), die das Festival seit 2001 organisiert. Das Motto in diesem Jahr lautet: Schule. Es soll international verglichen werden, auf welchem Stand die Länder sind, sagt der Koordinator. Diercks erwartet auch in diesem Jahr wieder rund 15 000 Besucher. "Es gibt natürlich noch über das Schul-Thema hinaus ein breites Angebot, das die einzelnen Botschaften auf die Beine gestellt haben", verspricht Diercks.

Die Botschaft von Kirgisistan (Otto-Suhr-Allee 146) gibt zum Beispiel kleine Lektionen in kirgisischer Landessprache und führt die Gäste in die Technik des Filzens ein. Nationale Speisen bieten die kirgisischen Landsleute vor ihrem Urta an, einem Nomadenzelt aus Filz.

Dort wird wohl auch der Koordinator Carsten Diercks einkehren. Er hat sich an diesem Tag auf eine ganz besondere Wette eingelassen. Und zwar mit Oliver Mommsen, bekannt als Fernsehkommissar ("Tatort" Bremen), der als Schirmherr des Fests im Einsatz ist. "Wir liefern uns ein Wettrennen, wer heute die meisten Visa-Stempel in seinen Festival-Pass bekommt", sagt Diercks. Denn: An jeder Station wird den Gästen ein Landes-Stempel in den Ein-Tages-Pass eingetragen. Der Pass ist für Besucher Pflicht und kostenlos erhältlich: in den "Berlin Infostores" im Hauptbahnhof, am Brandenburger Tor, im Neuen Kranzler Eck und am Alexanderplatz (Einkaufszentrum Alexa).

Mit den ordentlichen Papieren können Besucher dann zum Beispiel kurzerhand nach Südostasien, etwa auf die Philippinen reisen. Die befinden sich an dem Tag nicht im Pazifischen Ozean, sondern in der Uhlandstraße 97 in Wilmersdorf. Dort bietet die Botschaft eine Einführung in den philippinischen Volkstanz, es gibt Kochdemonstrationen der lokalen Küche und eine Fotoausstellung.

Düsterer präsentiert sich das Rumänische Kulturinstitut (Koenigsallee 20a). "Dracula - Mythos und Realität" lautet das Motto dort, zu dem eine Musikergruppe Lieder aus dem mittelalterlichen Transsylvanien spielt. Filmvorführungen beleuchten die Gestalt des Dracula. Auch traditionelle rumänische Gerichte kochen die Mitarbeiter des Kulturinstituts - mit Knoblauch. Karten für das Festival sind auch am heutigen Sonnabend noch erhältlich.

Der Koordinator Diercks hat seine natürlich schon. Und die Wette, ist er optimistisch? "Ja, denn Mommsen hat den Promi-Nachteil: Der wird überall erkannt und in Gespräche verwickelt und kommt deshalb nicht vom Fleck."