Konzept

Entscheidung über Flugrouten fällt am Montag

Mit Spannung wird die Sitzung der Fluglärmkommission am Montag in Schönefeld erwartet. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) wird dort ihr überarbeitetes Flugroutenkonzept für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg Airport (BER) vorstellen. Dann wird sich zeigen, wie weit die DFS den Empfehlungen der Fluglärmkommission folgt.

Die Kommissionsvorsitzende Kathrin Schneider wollte dazu am Freitag keine Prognose abgeben. Die Abflugrouten vom Hauptstadtflughafen, die die Flugsicherung im September vergangenen Jahres vorgelegt hatte, hatten massive Proteste hervorgerufen.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost wird sich die DFS in weiten Teilen an den Empfehlungen der Kommission orientieren. Komplett neue Routen wird es jedenfalls nicht geben. Im Südwesten Berlins aber kann die DFS voraussichtlich nicht alle Wünsche erfüllen. Ob Potsdam und Werder und damit auch Wannsee, so wie es die Kommission im Mai beschlossen hatte, westlich umflogen werden, gilt als unwahrscheinlich. Voraussichtlich werden hier nur Großraumflugzeuge wie der Airbus A 340, die vergleichsweise langsam steigen, herumgeführt. Die DFS wird daher dem Vernehmen nach nicht der Forderung nachkommen, dass erst bei Erreichen von 10 000 Fuß (gut 3000 Meter), so wie es die Kommission beschlossen hat, Piloten Richtung Osten abdrehen dürfen. Voraussichtlich wird es bei 5000 Fuß (1500 Meter) in Höhe von Großbeeren bleiben, die die DFS ursprünglich vorsah. Im Südosten Berlins dagegen könnte es Anlass zur Freude geben. Dem Vernehmen nach sind für die Stadt Erkner im Landkreis Oder-Spree, die Überflüge sowohl von landenden als auch startenden Maschinen fürchtet, Entlastungen vorgesehen.

Bürgerinformation am Airport

Noch aber sind die Pläne der DFS geheim. Die schriftliche Präsentation, wie künftig von und zum neuen BER geflogen wird, soll den 41 Mitgliedern der Fluglärmkommission erst um 10.30 Uhr am Montag vorgelegt und um 13.30 Uhr der Presse vorgestellt werden. Im Anschluss, voraussichtlich gegen 14.30 Uhr, ist, wie die Berliner Morgenpost erst auf Nachfrage beim Brandenburger Ministerium für Infrastruktur erfuhr, in der Airportworld eine Bürgerinformation geplant.

Der Sprecher des Bündnisses "Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten", Markus Peichl, forderte am Freitag vor allem "Klarheit" von der Deutschen Flugsicherung. "Das ist das Gebot der Stunde. Scheinlösungen brauchen wir nicht."

Auf welchen Flugrouten Jets vom und zum künftigen Hauptstadtflughafen BER fliegen, steht endgültig aber erst Ende Januar nächsten Jahres fest. Dann wird das Bundesamt für Flugsicherung (BAF) - voraussichtlich am 26. Januar - per Rechtsverordnung die An- und Abflugverfahren festlegen. Das Bundesamt prüft alle 74 Routenvarianten, die in der Fluglärmkommission diskutiert wurden sowie die von der DFS empfohlenen Routen. Dennoch kann davon ausgegangen werden, dass die am Montag vorgestellten Routen nicht mehr groß verändert werden. Denn bislang hat das BAF noch nie Routenkonzepte der DFS vollständig gekippt. Kleine Korrekturen sind aber nicht auszuschließen. Gegen die Rechtsverordnung des BAF kann geklagt werden. Bislang hat aber nach Auskunft von Experten keine solche Klage Erfolg gehabt.

Im März 2012, acht Wochen vor Eröffnung des Flughafens, werden die Routen - so sieht es der Zeitplan vor - im Luftfahrthandbuch veröffentlicht und sind damit gültig.

Bei der Deutschen Flugsicherung hieß es am Freitag, dass jede der 74 in der Kommission diskutierten Routen unter Berücksichtigung der Kommissionsempfehlungen abgewogen wurde. Das am Montag vorzulegende Routenkonzept wurde gerichtsfest begründet.

Die DFS hatte im September 2010 mit ersten Flugrouten-Vorschlägen massive Proteste in der Bevölkerung hervorgerufen, weil Berliner und Brandenburger Gebiete überflogen werden sollten, die in der Planfeststellung so nicht vorgesehen waren. Mehr als 30 Bürgerinitiativen hatten sich darauf gegründet. Die Fluglärmkommission, die mit Vertretern der betroffenen Kommunen, aber auch der Airlines und der Flughafengesellschaft besetzt ist und die Deutsche Flugsicherung bei der Routenplanung berät, wurde daraufhin von 17 auf 41 Mitglieder erweitert.

Nach elf Sitzungen legte die Kommission dann am 6. Juni ihren Abschlussbericht mit den Empfehlungen an die Deutsche Flugsicherung vor. Danach sollen Jets von der Nordbahn des BER geradeaus sowohl in Richtung Westen als auch Osten starten (siehe Karte). Von der Südbahn in Richtung Westen - auch das sehen die Empfehlungen der Kommission vor - müssen startende Maschinen 15 Grad oder mehr nach Süden abknicken. In Richtung Osten schlägt die Kommission für die Südbahn zwei gleichberechtigte Routen vor. Das sind die sogenannte scharfe Kurve und der Geradeausflug, für den aus Sicherheitsgründen eine Ausnahmegenehmigung nötig ist.

Für Flugzeuge, die vom BER nach Westen starten, aber ihr Ziel im Norden, Nordosten (zum Beispiel Skandinavien) oder Osten (Asien) haben, sieht die Kommission vor, dass diese erst in diese Richtungen abdrehen dürfen, wenn sie den westlichen Berliner Ring (A 10) bei Werder passiert haben und eine Höhe von 10 000 Fuß (gut 3000 Meter) erreicht haben. Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD) hatte damals betont, die DFS müsse schon "sehr gute Argumente herausholen", wolle sie bessere Routen vorlegen als die Fluglärmkommission. Die Kommission sprach sich am 6. Juni auch für ein Nachtflugverbot in der Zeit von 22 bis 6 Uhr und gegen ein Drehkreuz aus. Ob in der Zeit von 22 bis 24 Uhr und 5 bis 6 Uhr am BER geflogen werden darf, entscheidet das Bundesverwaltungsgericht im September.

"Wir brauchen vor allem Klarheit und keine Scheinlösungen"

Markus Peichl, Sprecher des Bündnisses "Berlin Brandenburg gegen neue Flugrouten"