Ehrenamt

"Ohne das Engagement der Eltern würde vieles nicht laufen"

Klettern, Hangeln, Balancieren - begeistert tummeln sich Schüler auf ihrer nagelneuen Spiellandschaft. "Abenteuerland" steht in kunterbunten Buchstaben auf dem Kletterturm, der zum umgestalteten Pausenhof der Grundschule am Windmühlenberg gehört.

Nicht nur in Unterrichtspausen, sondern auch nach Schulschluss ist die hölzerne Spiellandschaft zum beliebten Treffpunkt bei vielen Mädchen und Jungen geworden. Oft spielen zum Beispiel Nikola (11) und Emma (9) dort. Die beiden verbringen an den ersten Ferientagen so manche Stunde im "Abenteuerland" und sind sich einig: "Wir finden vor allem die Hängebrücke und die Balancierbalken toll."

Möglich wurde die Neugestaltung des Pausenhofes durch den ersten Sponsorenlauf der Gatower Schule, welcher mit Hilfe des Schul-Fördervereins organisiert wurde. So liefen 128 Schüler insgesamt 2155 Runden um den Schulsportplatz. "Das entspricht einer Strecke von 862 Kilometern", rechnet die Schulleiterin Maria Baring aus, die sich als zweite Vorsitzende im Förderverein engagiert. Für jede Runde spendeten Eltern, Nachbarn, Freunde oder Verwandte. Maria Baring: "Allein dadurch kamen etwa 7500 Euro zusammen." Um die Baukosten zu decken, stockte der Förderverein den Spendenbetrag auf. Zusätzlich beteiligte sich die Firma McPaper an den Baukosten und das Grünflächenamt spendierte den Bodenaushub. "Unsere Eigeninitiative war die einzige Möglichkeit, wieder Spielgeräte auf unseren Schulhof zu bekommen", erzählt die Vorsitzende des Fördervereins der Gatower Grundschule Anja Larisch. Der Bezirk habe das alte marode Klettergerüst abgebaut, doch angesichts knapper Kassen den Bau neuer Spielgeräte abgelehnt.

Ob für Pausenhöfe, Gebäuderenovierung oder -ausstattung: Fehlendes Geld für die Investition in Schulen wird zunehmend zum Problem. Bildungsarbeit ohne engagierte Mütter und Väter? Für Maria Baring kaum noch vorstellbar: "Ohne unseren Verein und das private Engagement der Eltern würde vieles nicht laufen." Denn nicht nur die Gestaltung und Pflege des Schulgeländes, sondern auch Schulveranstaltungen wie Einschulungsfeiern oder jährliche Vorlesewettbewerbe, das Unterstützen von Klassenfahrten oder auch der Kauf von Musikinstrumenten gehöre zur breiten Palette von Projekten, die vor allem durch die Hilfe schulischer Fördervereine realisiert werden.

"Mit der Arbeit der Fördervereine, die etliche Stunden ehrenamtlicher Arbeit leisten und für dringend benötigtes Geld sorgen, wird inzwischen unglaublich viel Bildung getragen", betont auch Katja Hintze. Die Mutter zweier Töchter (inzwischen 14 und 16 Jahre alt) war im Jahr 2004 Mitbegründerin des Landesverbandes Schulischer Fördervereine Berlin-Brandenburg e.V. (lsfb). Als Vorsitzende des Verbandes stemmt sie an der Seite von weiteren 21 Eltern, Großeltern, Lehrkräften und Mitstreitern, die selbst keine Kinder haben, unentgeltlich die Verbandsarbeit. Diese zielt darauf, Kräfte für die Förderarbeit zu bündeln.

Als Plattform für Fördervereine im schulischen und vorschulischen Bereich, die alle an einem Strang ziehen, ist der Verband zunehmend gefragt. Katja Hintze: "Die Zahl unserer Mitglieder stieg rasant und wird auch weiter zunehmen." Inzwischen hätten sich knapp 500 Mitgliedsvereine dem Landesverband angeschlossen. "Es gibt regelmäßige Treffen, um Erfahrungen und Wissen auszutauschen. Immer neue Projekte zu initiieren und Dinge zu bewegen - das ist unser Antrieb", erklärt die Verbandschefin. Angesichts des damit steigenden Arbeitspensums sei das allerdings künftig rein ehrenamtlich nicht mehr zu leisten. Um die Verbandsarbeit perspektivisch zu sichern, sei nun die Gründung einer Stiftung geplant und es wird ein Großsponsor für den Aufbau der lsfb-Geschäftsstelle gesucht.

Der Verein Berliner helfen e.V. steht schulischen Fördervereinen zur Seite. So erhielt kürzlich die Zehlendorfer Käthe-Kruse-Grundschule einen finanziellen Zuschuss für die Sprachreise einer Klasse, in der zwei Schüler die Kosten nicht aufbringen konnten. Den Förderverein der Peter-Pan-Grundschule in Marzahn unterstützt Berliner helfen e.V. mit 500 Euro. Das Geld und der Erlös eines Spendenlaufes, den der Förderverein dieser Schule im September veranstaltet, sollen in den Kauf neuer Fahrräder fließen. "Denn der Schulhof wird durch einen Verkehrserziehungsgarten erweitert", erklärt Mike Greinert-Streblow vom Förderverein. Ein Teil des Spendenerlöses werde genutzt, um Kindern sozial schwacher Familien die Teilnahme an Klassenfahrten und Wandertagen zu ermöglichen.

Bildungsspender und Schulengel

Die Mitgliedsbeiträge der Fördervereine der Schulen reichen in der Regel nicht aus, um Vereinsziele und entsprechende Projekte zu finanzieren. Eine sinnvolle Ergänzung zur Werbung um Sponsorengelder ist zum Beispiel das gemeinnützige Online-Fundraisingportal "Bildungsspender". Im Jahr 2010 flossen insgesamt etwa 91 000 Euro über dieses Portal an Empfänger, zu denen schulische Fördervereine gehören. Ein Portal mit gleichem Zweck und ähnlicher Funktionsweise nennt sich "Schulengel". Beide Einkaufsportale beruhen auf dem gleichen Prinzip: Onlineshoppen und dabei spenden. Dabei tätigen Onlinekäufer ihren Einkauf bei teilnehmenden Partnershops über deren Portal - ohne einen Cent mehr zu bezahlen. Für jeden Einkauf erhält das jeweilige Portal eine Gutschrift, welche teilnehmenden Schulen, Kitas oder Vereinen zugute kommt. Onlinekäufer können mit ihrem Einkauf gezielt für einen bestimmten Empfänger spenden. Infos unter www.bildungsspender.de und www.schulengel.de .