Städtepartnerschaft

Brückenschlag von Budapest nach Berlin

Feste, Besuche, Ausstellungen - eine Partnerschaft, erst recht eine Städtepartnerschaft, lebt vom Austausch. Am Mittwoch lädt Ungarn die Berliner und Gäste zum Festkonzert ans Brandenburger Tor ein (Beginn: 18 Uhr), um die Übergabe der EU-Ratspräsidentschaft an Polen und die 20-jährige Partnerschaft Berlin-Budapest zu feiern.

Der Oberbürgermeister von Budapest, István Tarlós von der rechtskonservativen Fidesz-Partei, macht seinen Antrittsbesuch und wird sich dabei auch ins Goldene Buch eintragen, bevor er mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) zum Konzert fährt.

"Das ist sicherlich eine gute Gelegenheit, die Städtepartnerschaft zu intensivieren", sagt Günter Kolodziej, Vize-Sprecher des Senats. Der Senat habe Interesse, die Partnerschaft zu pflegen, weil er sich der Chancen in Osteuropa, besonders auch der wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten, bewusst sei. Dass vor allem das persönliche Kennenlernen die Partnerschaft mit Leben erfüllt, wissen Berliner Bezirke seit Jahren. Besonders intensive Kontakte mit Budapest werden beispielsweise in Charlottenburg-Wilmersdorf gepflegt. Dass zum Fest der Kulturen, das an diesem Wochenende auf dem Prager Platz gefeiert wird, die ungarische Rockband "Indeed" (Sonnabend, 11 Uhr) spielt, ist kein Zufall. Der Austausch bei Sommerfesten ist üblich. Seit 1998 unterhält der Bezirk zum V. Bezirk Kontakte. In Budapest gibt es 23 Bezirke, so viele wie in Berlin vor der Fusion der Bezirke 2001.

Ulrike Laskowski, die sich seit 18 Jahren im Bezirksamt um Städtepartnerschaften kümmert, schwärmt von Budapest: "Ich liebe die Stadt, den Charme mit den vielen Jugendstilbauten, die hervorragend restauriert sind. Und es gibt diese wunderschönen Bäder mit den heißen Quellen." Sie weiß aber auch, dass die finanzielle Seite des Austauschs "immer schwieriger" wird. Pflegte der Bezirk im Jahr 2005 noch über 100 Begegnungen pro Jahr mit seinen 21 Städtepartnerschaften, sind sie jetzt auf 70 geschrumpft. Internationale Gepflogenheit ist es, dass der Besucher die Reisekosten trägt und der Gastgeber für den Aufenthalt aufkommt. "Aber nur dann, wenn er auch eingeladen hat. Es ist ein Geben und Nehmen", sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Der Partnerbezirk liege auf der Pester-Seite und sei als Innenstadtbezirk mit Museen, Opern und dem Parlament ausgesprochen interessant.

Bei Besuchen von Schulgruppen, wie im Frühjahr dieses Jahres die Reise von elf 13-Jährigen der Hildegard-Wegscheider-Oberschule nach Budapest und der Gegenbesuch von elf 15-Jährigen des Eötvös-Gymnasiums in Berlin, lebt das Wohnen in den Familien wieder auf. Das Jugendgruppenhaus an der Glockenturmstraße und ein kleines Übernachtungshaus in Grunewald hat der Bezirk längst abgegeben. Kein Wunder, dass sich die Städtepartnerschaft-Beauftragte freut, wenn die Partnerschaftsvereine das schmale Budget etwas aufbessern. Sie geben Geld für Führungen oder Essen.

In Steglitz-Zehlendorf, das seit 2008 Kontakte mit dem 14. Bezirk Budapests unterhält, mit Zugló, ist Bezirksbürgermeister Norbert Kopp (CDU) ebenfalls froh über die Partnerschaft: "Unvergessen ist, dass die Ungarn im September 1989, zwei Monate vor dem Mauerfall, die Grenze nach Österreich für unzählige DDR-Bürger aufgemacht haben. Dafür sind wir ihnen noch heute dankbar."

Musikalische Kontakte der Steglitz-Zehlendorfer Musikschule, mit 6000 Schülern die größte Deutschlands, zum Sain Sant Izsavan Konservatorium finden regelmäßig statt, sagt Kulturstadträtin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Auch sie hatte sich - kurz bevor die Ungarn nach einer Partnerschaft angefragt hatten - auf einer Privatreise "Hals über Kopf in die Stadt verliebt": "Es gibt so viele Anknüpfungspunkte. Es ist die jüngste Partnerschaft, aber die intensivste."

"Es ist die jüngste Partnerschaft, aber die intensivste"

Cerstin Richter-Kotowski, Kulturstadträtin