Sicherheit

Senat sucht neue Lagerstätte für Atomschrott

Der Berliner Senat soll einen neuen Standort für das Zwischenlager für radioaktive Abfälle (ZRA) in Wannsee prüfen. Das hat das Abgeordnetenhaus am Donnerstagabend beschlossen "Wir wollen alles tun, um die Lagerung radioaktiver Abfälle in dicht besiedelten Gebieten wie Berlin so weit wie möglich zu minimieren", sagt der Abgeordnete Holger Thärichen (SPD).

Rund 90 Kubikmeter schwach- und mittelradioaktive Abfälle werden jährlich im Zwischenlager angeliefert. Ähnlich hohe Mengen produzieren nur große Flächenländer wie Baden-Württemberg, Bayern und Niedersachsen. Der Müll kommt zu 60 Prozent aus der Forschung. Ebenso werden hier die strahlenden Reste von Röntgengeräten und Rauchmeldern aus den 70er-Jahren deponiert.

Der Müll wird hier verarbeitet und mittels Verdampfung in jedem Jahr auf rund 40 Kubikmeter reduziert. Teilweise können Materialen, deren Radioaktivität im Laufe der Jahre abgeklungen ist, über andere Wege entsorgt werden. Trotzdem haben sich seit der Inbetriebnahme 1973 rund 800 Kubikmeter Atommüll angesammelt. Das Berliner Zwischenlager ist zu 90 Prozent voll. Etwa 25 Container und 450 Fässer mit Atommüll stehen derzeit unter dem Dach des Zwischenlagers.

"In zwei Jahren etwa ist das Lager voll", sagt Christian Walther, Sprecher der zuständigen Bildungsverwaltung. Zwar könne mit neuen Lagerregalen die Kapazität erhöht werden. Aber dafür müsste das Land Berlin investieren. Schon jetzt fließen aus dem Landeshaushalt jährlich rund 560 000 Euro an das von der Helmholtz-Gesellschaft betriebene Atomzwischenlager, um den Betrieb zu unterstützen. Schon aus Kostengründen ist es also im Interesse des Landes, einen neuen, kostengünstigeren Standort für den Atomschrott zu finden.

Der erste Blick, sagt Christian Walther, richte sich dabei natürlich über die Landesgrenzen nach Brandenburg. "Allerdings ist Brandenburg nur wenig geneigt, Abfälle anzunehmen, die in einem anderen Bundesland produziert worden sind." Zudem befindet sich die Landessammelstelle Brandenburgs in Mecklenburg-Vorpommern auf dem Gelände eines ehemaligen Schulungsreaktors in Lubmin. Dort bestätigt man, ausreichend Platz zu haben. "Hier können Container angemietet werden", sagt die Sprecherin des Betreibers Energiewerke Nord (EWN), Marlies Philipp.

"Der Senat soll prüfen, ob das Zwischenlager Nord in Lubmin auch Kapazitäten für die Abfälle aus Berlin zu günstigen Kosten zur Verfügung stellen könnte", sagt der SPD-Abgeordnete Holger Thärichen. Das in einem nur dünn besiedelten Gebiet liegende Zwischenlager ist auch im Gespräch, bundesweites Zwischenlager zu werden, bis eine endgültige Lösung gefunden worden ist. Zwar will die Berliner Forschungsverwaltung der Aufforderung des Abgeordnetenhauses nachkommen, dort hofft man jedoch auf eine schnelle nationale Lösung. Als künftiges bundesweites Zwischenlager wird zudem vom Bundesamt für Strahlenschutz ein Ort in der Nähe des Atommülllagers Asse in Niedersachsen auf seine Sicherheit hin untersucht. "Die Prüfung eines neuen Standortes erfolgt mittelfristig", sagt Christian Walther, Sprecher der Bildungsverwaltung.