Ausnahmezustand in Berlin

Parade und Straßensperrungen zum Christopher Street Day

Berlin quillt über an diesem Wochenende - vor Menschen und vor Lebensfreude. Etwa eine halbe Million kommen zum Christopher Street Day am heutigen Sonnabend, um über die Straßen und Plätze zu tanzen. Zehntausende wollen das Eröffnungsspiel der Frauenfußball-Weltmeisterschaft am Sonntag sehen, im Stadion oder beim Public Viewing.

Ein Ausnahmezustand, der immer mehr zur Regel wird. Etwa 450 000 Gäste besuchen Berlin an normalen Tagen - "aber wann gibt es noch Wochenenden ohne große Events in der Stadt", sagt Christian Tänzler, Sprecher von visitBerlin. Auch in den Kiezen tobt am Sonnabend und Sonntag das Leben, etwa in Kreuzberg beim Fest auf der Bergmannstraße und beim Seifenkisten-Derby auf dem Mehringdamm, in Moabit beim Fest auf der Gotzkowskystraße oder in Wilmersdorf beim Fest der Nationen am Prager Platz.

Der Handel freut sich auf die vielen zusätzlichen Kunden und lockt mit einem verkaufsoffenen Sonntag im gesamten Stadtgebiet. "Mehr als 5000 Geschäfte beteiligen sich", sagte Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. Viele Einkaufszentren, Warenhäuser, Fachmärkte und Lebensmittelfilialen öffnen. Nähere Infos unter www. hbb-ev.de. Prominente Ausnahme ist das KaDeWe an der Tauentzienstraße. Es bleibt am Sonntag geschlossen.

CSD-Parade startet am Kranzler-Eck

Das Großereignis des Sonnabends ist die schwul-lesbische Parade zum 33. Christopher Street Day. Start des Umzugs ist um 12.30 Uhr am Kranzler-Eck. Er steht unter dem Motto "Fairplay für Vielfalt". Die Route führt wie im Vorjahr vom Kurfürstendamm über Breitscheidplatz, Wittenbergplatz, Lützowplatz, Klingelhöferstraße, Hofjägerallee, Großer Stern und Straße des 17. Juni bis zum Brandenburger Tor. Über die Parade-Strecke rollen 53 Wagen. An der Spitze fährt der Sportblock mit Fahrzeugen der Füchse Berlin, vom 1. FC Union, und vom DFB. Die ersten Wagen sollen gegen 16.30 Uhr am Brandenburger Tor eintreffen.

Das Finale wird um 17.30 Uhr vom Berliner CSD-Vorstand Jan Salloch und dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnet. Die Teilnehmer gedenken der Opfer der Verfolgung von Homosexuellen. Der Preis für Zivilcourage wird verliehen. DFB-Präsident Theo Zwanziger hält die Laudatio auf die ehemalige Profifußballspielerin Tanja Walther-Ahrens. Der zweite Zivilcouragepreis geht gemeinschaftlich an die "Federation of Gay Games" und die "Gay and Lesbian International Sport Association". Der Comedian Ole Lehmann moderiert das Showprogramm des Abends, mit Hip-Hop, Punk und Rock. Die Bands "Ein Tag im April", "Bullmeister" und "The Spoilt" treten auf.

Zum CSD-Finale wird auf der Straße des 17. Juni eine Sportarena aufgebaut, mit Soccer Court, Streetball, einem XXL-Kicker mit 16 Handgriffen, dazu Infostände und Aktionsflächen. Der Berliner Fußballverband ist Sponsor der Arena.

Viele Partys umrahmen den Christopher Street Day. Die letzte Party findet am Sonnabend ab 23 Uhr im "Weekend Club", Alexanderstraße 7, in Mitte statt.

In der City West müssen Autofahrer am Sonnabend mit umfangreichen Verkehrsbehinderungen rechnen. Etwa zwischen 12 und 17 Uhr sind die Streckenabschnitte der Parade und die angrenzenden Straßen betroffen. Der Kurfürstendamm ist ab 10.30 Uhr zwischen Joachimstaler und Uhlandstraße gesperrt. Von 24. Juni, 3 Uhr, bis 26. Juni, 12 Uhr, ist die Ebertstraße in Richtung Scheidemannstraße zwischen Behrenstraße und Scheidemannstraße gesperrt. Der Abschnitt ist in der Gegenrichtung vom 24. Juni, 14 Uhr, bis 26. Juni, 6 Uhr, gesperrt. In dieser Zeit ist auch die Straße des 17. Juni zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Brandenburger Tor nicht befahrbar. Die Verkehrsmanagementzentrale Berlin (VMZ) empfiehlt CSD-Besuchern, mit U- oder S-Bahn zur Parade zu kommen. Die Straße des 17. Juni zwischen Yitzhak-Rabin-Straße und Ebertstraße bleibt bis zum 13. Juli gesperrt.Grund ist die Fashion Week.

Busverkehr eingeschränkt

In der City West kommen auch die Fahrgäste der BVG-Busse nicht ungehindert ans Ziel. Am Sonnabend ab 12 Uhr kommt es zu Unregelmäßigkeiten. Je nach Verlauf der Parade leitet die BVG ihre Fahrzeuge um oder stellt den fahrplanmäßigen Verkehr vorübergehend ein. Betroffen sind die Linien M 29, M 19, M 41, M 46, M 85, 100, 106, 109, 110, 187, 200, 204 und 249. Bis Sonntag, 15 Uhr, wird wegen der CSD-Abschlussveranstaltung am Brandenburger Tor die Omnibuslinie 85 umgeleitet.