Stadtplanung

Unternehmen kritisieren fehlende Vision für Tegel

Erst in fünf, wenn nicht sogar erst in zehn Jahren werden sich die Baukräne drehen. Diese Erwartung äußerte Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) für die Zeit nach der im nächsten Jahr geplanten Schließung des Flughafen Tegels.

Dass die Nachnutzung des 460 Hektar großen Areals zum Standort für Zukunftstechnologien keine schnelle Sache sein wird, darüber waren sich alle Beteiligten an der ersten Investorenkonferenz zum Standort Flughafen Tegel am Mittwoch weitgehend einig. Rainer Nagel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung rechnet mit 20 bis 25 Jahren für den "Planungsverlauf".

Eingeladen hatte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) unter der Überschrift "Zukunftsstandort Tegel: Rollfeld für neue Stadtqualitäten und Zukunftstechnologien in Berlin". Kritisch wurde von vielen Konferenzteilnehmern die bislang dreijährige Planung des Senats an einem Profil für Tegel beurteilt. Worte wie "klein, klein", "zu abstrakt" oder "wehrloses Papier zu beschreiben, sei leicht", fielen da. "Eine deutliche Vision" vermisst etwa der Siemenskonzern. Dessen Vertreter Otto Haas verwies darauf, dass bislang nicht klar sei, welche Zielgruppe als Nutzer angesprochen werden soll. "Ich vermisse in der ganzen Diskussion auch das Wort international", sagte er. Ein Industriestandort moderner Technologie könne nur von außen wachsen. "Der Adressat ist doch die Welt." Nicht mit Tegel sondern mit dem in der Welt bekannten Namen Berlin müsse doch geworben werden, kritisierte Haas den Senat. Er schlug vor, mit der Vision eines "International Future Park Berlin" um Investoren zu werben. Auch dürfe der Senat nicht auf Forscher und Investoren warten, sondern müsse aktiv auf diese zugehen.

"Ein viel zu wenig zugespitztes Standortprofil", bemängelte die Stadtforscherin an der TU, Johanna Schlaack, das Senatskonzept für Tegel. Gerhard Steindorf, der den Wissenschaftspark Adlershof mitentwickelt hat und heute für den Flughafen Tempelhof zuständig ist, vermisst ein Leitbild für Tegel und schlug "eine für Europa mustergültige Smart-City" vor.

Adlershof-Entwicklung als Vorbild

Am Beispiel von Adlershof rechnete Steindorf vor, dass sich staatliche Investitionen durchaus rechnen. So würden bis 2013 insgesamt 530 Millionen Euro an kommunalem Geld nach Adlershof fließen. Mit Stand 2010 liege die Wertschöpfung bereits bei 1,7 Milliarden Euro. "Das Steueraufkommen liegt bei 340 Millionen Euro, wovon 180 Millionen in die Kasse von Berlin fließen", sagte Steindorf. Jedes Jahr entstünden 500 neue Arbeitsplätze. Für Tegel hält Steindorf ein Investment von 580 Millionen Euro für nötig.

Der Bund und das Land Berlin haben als Eigentümer zwar mögliche Kosten bereits durchgerechnet. Zahlen wurden aber nicht genannt. Matthias Bick von der Bima sagt nur, dass keine roten Zahlen zu erwarten seien. Nächste Woche will die Senatsverwaltung für Wirtschaft dem Senat ein Marketingkonzept vorstellen. Auch soll "in Kürze" eine Trägergesellschaft für Tegel gegründet werden. Voraussichtlich werden die Manager der Wissenschaftsstadt Adlershof zum Zuge kommen.