Prozess

S-Bahn-Schläger legt vor Gericht ein Geständnis ab

Ein 26-Jähriger, der am 1. Mai 2009 in der S-Bahn einen völlig unbeteiligten Fahrgast attackierte und dabei verletzte, hat vor einer Moabiter Strafkammer ein Geständnis abgelegt.

Der Angeklagte Jens H. sagte vor Gericht, dass er frustriert gewesen sei, weil ihm kurz zuvor die Teilnahme an einer Demonstration der NPD verweigert worden sei. Polizisten hatten ihn und seine Begleiter nicht durchgelassen, weil sie Bierflaschen in den Händen hielten. Mit der rechtsextremen Partei hat er nach eigenen Angaben aber nichts zu tun. Er habe nur mal schauen wollen, was sich da abspiele, so Jens H. Die Stiefel habe er angezogen, um sich anzupassen und nicht aufzufallen.

Auf dem Rückweg, so der Anklagesatz, sollen Jens H. und zwei gesondert verfolgte Begleiter dann beschlossen haben, "wahllos einen anderen Fahrgast zu verprügeln". Das war dann während der S-Bahn-Fahrt zwischen den Stationen Grunewald und Nikolassee so auch geschehen. Ausgewähltes Opfer war zunächst ein älterer Mann. Als ihn ein 45 Jahre alter Fahrgast beschützen wollte, richtete sich die Aufmerksamkeit der Täter auf ihn. Bei ihm sei "Wut hochgekocht, es ist eskaliert", versuchte der Angeklagte vor Gericht seine damalige seelische Situation zu beschreiben. "Einer hat angefangen, und dann ging es weiter", äußerte Jens H. Er und seine Kumpane hätten auf den 45-Jährigen unvermittelt mit Fäusten eingeschlagen, bis er zu Boden fiel. Anschließend, das gab er vor Gericht zu, hatte Jens H. den Mann wohl auch mit seinen Springerstiefeln getreten.

Das Opfer erlitt eine Gehirnerschütterung und Prellungen am ganzen Körper. Es musste sich in ärztliche Behandlung begeben und war 14 Tage krankgeschrieben. Die körperlichen Schmerzen seien das Geringste gewesen, das Schlimmste seien die psychischen Folgen, erklärte der Anwalt des Opfers. Der Mann fahre kaum noch S-Bahn, weil er sich nicht mehr sicher fühle, erklärte der Anwalt. Er fordere 2000 Euro Schmerzensgeld.

Sein Mandant sagte im Prozess nicht selber aus. Er bekam Identitätsschutz, weil er nach Angaben seines Anwalts von den Tätern massiv bedroht worden sei.

Jens H. verbüßt seit September vergangenen Jahres wegen einer anderen Straftat eine Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren. In diesem Fall ging es sogar um versuchten Totschlag.

Der Prozess gegen den 18-jährigen Torben P., der kurz vor Ostern im U-Bahnhof Friedrichstraße einen 29-jährigen Fahrgast fast zu Tode trat, wird wohl erst frühestens im August beginnen. Nach einem Bericht der "BZ" soll zunächst ein psychiatrisches Gutachten über den Gymnasiasten gefertigt werden.