Nachwuchs-Leistungszentrum

1. FC Union will Mellowpark-Gelände

Zwei Vereine streiten um ein Grundstück am Spreeufer in Oberschöneweide. Der Fußballklub 1. FC Union möchte auf einem großen Teil der Fläche sein Nachwuchs-Leistungszentrum ausbauen und Trainingsmöglichkeiten für die Mädchen- und Frauenabteilung schaffen.

Doch das Grundstück an der Straße An der Wuhlheide ist bereits vergeben: Der Jugendhilfe-Träger All eins e.V. hat die Fläche, auf der sich das alte Paul-Zobel-Stadion befindet, seit mehr als einem Jahr vom Bezirksamt Treptow-Köpenick gepachtet. Er baut den europaweit bekannten Mellowpark - ein Gelände für Skater und BMX-Fahrer - wieder auf, der seinen alten Standort verlassen musste. Geplant sind weitere Anlagen, die der kürzlich gegründete Sportverein Mellowpark aufbauen und betreiben will.

Dennoch hat sich Union mit seinem Anliegen, dieses Grundstück zu nutzen, an das Bezirksamt gewandt. Die Trainings- und Wettkampfbedingungen auf den bisherigen Anlagen rund um das Stadion An der Alten Försterei reichten nicht aus, heißt es in dem Schreiben, das von Geschäftsführer Oskar Kosche unterzeichnet ist. Wenn die neue Haupttribüne gebaut werde, verliere der Verein einen Sportplatz. Er suche dringend neue Trainingsflächen. Man beantrage die Übertragung der Grundstücksfläche An Wuhlheide an den 1. FC Union. Das Schreiben ist an alle Fraktionen der Bezirksverordneten-Versammlung weitergeleitet worden und wird im Sportausschuss diskutiert.

Das etwa 66 000 Quadratmeter große Grundstück liegt an der Straße An der Wuhlheide, in Sichtweite der Alten Försterei, dem Traditionsstandort des 1. FC Union. Der konnte sogar jahrelang einen Teil der Fläche als Parkplatz nutzen - bis das Gelände dem Verein All eins zum Wiederaufbau des Mellowpark zur Verfügung gestellt wurde. Dieses Projekt ist weit fortgeschritten. Rampen und Skateranlagen sind aufgebaut, Kinder und Jugendliche beteiligen sich an den Arbeiten.

Mellowpark eröffnet im Juni

Das Gelände steht kurz vor der Eröffnung: Vom 4. bis zum 6. Juni soll der traditionelle Wettkampf "Highway to hill" ausgetragen werden. Grundstücksflächen an den Fußballverein Union abzugeben, kommt für die Mellowpark-Organisatoren nicht in Frage. "Wir brauchen das Gelände selbst", sagt Jens Werner, der für den Verein All eins arbeitet und dem Sportverein Mellowpark vorsteht. Denn es seien weitere Projekte geplant, darunter eine BMX-Racing-Anlage und ein Hostel, um Sportler unterbringen zu können.

Zwei bis fünf Millionen Euro sollen in den kommenden Jahren investiert werden. Die finanziellen Möglichkeiten und Ressourcen seien ausreichend, sagt Jens Werner. Man habe Vorverträge mit Sponsoren geschlossen. Der Bauantrag für die BMX-Racing-Strecke werde demnächst gestellt. Die Resonanz der Kinder und Jugendlichen auf den neuen Standort in Oberschöneweide sei groß. Bis zu 30 000 Besucher kamen jährlich zum alten Gelände des Mellowparks an der Friedrichshagener Straße. Dass der Jugendfreizeitpark, der auch über einen Fußball- und einen Basketballplatz verfügt, nach Oberschöneweide umziehen konnte, ist Beschluss der Bezirksverordneten-Versammlung Treptow-Köpenick. Die Fraktionen beschäftigen sich jetzt mit dem Anliegen des 1. FC Union. SPD und Linke haben in der Mai-Sitzung der BVV Anträge gestellt, die nun in den Ausschüssen diskutiert werden. Sie möchten, dass das Bezirksamt dem Fußball-Verein hilft, einen geeigneten Standort für sein Nachwuchs-Leistungszentrum zu finden.

Die Linke betont, dass sie das Gelände des ehemaligen Paul-Zobel-Stadions nicht für geeignet hält. "Es scheidet aus, weil der Mellowpark dafür einen Vertrag hat", sagt Fraktionschef Philipp Wohlfeil. Man solle deshalb ein anderes Gelände für Union suchen, etwa auf der Fläche des Freizeit- und Erholungszentrums FEZ. "Mellowpark und Union dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden", sagt Wohlfeil. Der SPD-Fraktionschef in der BVV, Oliver Igel, hält dagegen für möglich, dass sich Union und Mellopark darauf einigen könnten, einen Teil der Fläche gemeinsam zu nutzen. Unions-Geschäftsführer Kosche war am Dienstag nicht für Nachfragen erreichbar. In seinem Schreiben an das Bezirksamt heißt es, echte Traditionsvereine dürften bei der Vergabe von Sportanlagen nicht schlechter gestellt werden, als "konstruierte".