Infektionen

Robert-Koch-Institut bekräftigt Warnungen vor Rohkost

In Berlin haben sich mittlerweile zwölf Menschen mit EHEC angesteckt. Die Zahl der Darmkeim-Infektionen ist somit weiter angestiegen.

Zudem sind acht Menschen an der lebensbedrohlichen Folgeerkrankung, dem hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), erkrankt. Sie werden zum Teil intensivmedizinisch behandelt, leiden unter blutigen Durchfällen und Nierenschädigungen. Sechs der HUS-Patienten haben Lebensmittel aus Norddeutschland gegessen oder konnten anderweitig in Zusammenhang mit dem Ausbruch in den nördlichen Bundesländern gebracht werden.

60 Prozent aller momentan im Bundesgebiet bekannten HUS-Fälle sind in den Ländern Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen aufgetreten.

Am Wochenende ist die Zahl der HUS-Fälle um 80 auf 352 bundesweit gestiegen, rund 1400 Menschen haben sich in Deutschland mit EHEC angesteckt. Alleine in Hamburg sind derzeit 94 Menschen an HUS erkrankt, etwa 488 sind EHEC-infiziert. "Leider ist weiter von steigenden Infektionszahlen auszugehen", sagte Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) am Montag bei einem Besuch im Robert-Koch-Institut (RKI). Der RKI-Präsident Reinhard Burger rechnet zudem mit weiteren Todesfällen. Bisher sind bundesweit mindestens 14 Menschen infolge einer HUS-Erkrankung gestorben.

Am Montag wurden vier neue Todesfälle gemeldet. Im mecklenburgischen Parchim und im nordrhein-westfälischen Bad Lippspringe starben zwei jeweils hochbetagte Frauen an den Folgen der Infektion. Auch der Kreis Gütersloh meldete eine EHEC-Tote. In Rendsburg (Schleswig-Holstein) starb ein 75 Jahre alter Rentner an den Folgen der Infektion.

Ursache weiter unklar

Mit einer zweiten Studie in Lübeck versucht das RKI weiterhin, dem Auslöser der EHEC-Welle auf die Spur zu kommen. In der vergangenen Woche haben RKI und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits eine Studie in Hamburg gefertigt, die Blattsalate, Gurken und Tomaten als wahrscheinliche Ursache bestätigte. Auch die zweite Studie in Lübeck kam zu diesem Ergebnis. Zwar ist die Zahl der Neuerkrankungen in Hamburg in den vergangenen Tagen um ein Viertel zurückgegangen. "Aber es gibt Anzeichen, dass die Quelle noch aktiv ist", sagte Daniel Bahr. Die Zahl der Neuerkrankungen sei trotz leichter Abschwächung bedenklich.

"Die Warnung des RKI vor Rohkost ist deshalb berechtigt", sagte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU). Die Experten aus Ministerien, Instituten und Behörden hätten volle Rückendeckung für ihre Arbeit. Diese tragen nun auf der Suche nach der Ursache Tausende Informationen zusammen, darunter die Ergebnisse von Laboruntersuchungen und Protokolle von Lieferwegen. Aigner zeigte Verständnis für die Landwirte im In- und Ausland, die ihr Gemüse auf den Müll werfen müssen und mit Umsatzverlusten zu kämpfen haben. "Aber da es Tote gibt, muss die Warnung vor Gurken, Tomaten und Blattsalaten aufrechterhalten bleiben." Vor allem, so lange die Ursache nicht geklärt sei. An Spanien habe es nie konkrete Schuldzuweisungen gegeben. "Die Infektion kann auch an einem Punkt in der Lieferkette passiert sein."

Wissenschaftler der Uniklinik Münster entwickelten einen Schnelltest zum Nachweis des EHEC-Erregers. Mit Hilfe des molekularbiologischen Verfahrens sei es möglich, bereits kleinste Mengen von EHEC-Erregern innerhalb weniger Stunden auf die speziellen Eigenschaften des Ausbruchsstamms zu untersuchen. Konkret gehe es um vier Gene, die in ihrer Kombination für den EHEC-Erreger vom Typ HUSEC 041 einzigartig seien. Der Test könne in jedem molekularbiologischen Labor gemacht werden. Einzelheiten wollten die Wissenschaftler auf einer Konferenz an diesem Dienstag bekanntgeben. Die Bundesärztekammer hatte vor Panikmache gewarnt. "Die Situation ist beherrschbar", sagte der Vizepräsident der Kammer, Frank-Ulrich Montgomery, der "Passauer Neuen Presse".