Infektionen

Zahl der EHEC-Fälle nimmt weiter zu

Die Zahl der EHEC-Infektionen in Berlin steigt weiter. Derzeit gibt es neun bestätigte Fälle von leichten Durchfallerkrankungen wegen des Darmkeims. Hinzu kommen sechs Menschen, die in Folge der Infektion am lebensbedrohlichen hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) erkrankt sind.

Die Zahl der komplizierten Krankheitsfälle nimmt damit ebenfalls zu, am Vortag hatte die Berliner Gesundheitsverwaltung nur vier HUS-Patienten gemeldet.

Auch bei Betroffenen mit nur leichten Symptomen kann ein weiterer schwerer Krankheitsverlauf derzeit noch nicht ausgeschlossen werden. Die Berliner Gesundheitsverwaltung hat neue Erkenntnisse über die Ursache gewonnen. "Bei vier EHEC-Infizierten und fünf der HUS-Erkrankten konnte jetzt eine Verbindung nach Norddeutschland festgestellt werden", sagte die Sprecherin der Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding. Die Betroffenen hätten dort auch gegessen. In Norddeutschland ist der Ausbruch von EHEC bisher am stärksten, 400 Menschen haben sich in Hamburg angesteckt.

Noch gibt es keinen Hinweis auf eine Infektionsquelle in Berlin. Die zwölf Berliner Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsämter gaben am Donnerstag rund 30 Gurken-, Tomaten und Salatproben aus Lebensmittelbetrieben beim Landeslabor ab. Die Proben werden auf den Durchfall-Erreger untersucht. "Mit ersten Ergebnissen ist Anfang der nächsten Woche zu rechnen", sagte Regina Kneiding.

Erkrankte auch in Brandenburg

Auch im Land Brandenburg sind möglicherweise zwei Menschen am HUS erkrankt. Es gebe zwei Verdachtsfälle, teilte das Gesundheitsministerium am Freitag mit. Insgesamt gibt es in Brandenburg drei bestätigte Fälle und drei Verdachtsfälle von EHEC-Infektionen.

Obwohl das Robert Koch Institut (RKI) die Infektionsquelle des Erregers bislang in Spanien und Holland vermutet, klagen deutsche Bauern über Absatzschwierigkeiten. Die Bauern in Norddeutschland müssen tonnenweise Salatköpfe, Tomaten und Gurken auf den Müll werfen, weil Lebensmittelhändler große Lieferungen stornieren. Auch die Bauern in Brandenburg bekommen die Auswirkungen der RKI-Warnung zu spüren. "Einige Bestellungen sind von den Händlern bereits storniert worden", sagte der Geschäftsführer des Gartenbauverbands Brandenburg, Andreas Jende. Die Landwirte könnten das Gemüse noch einige Tage lagern, befürchten jedoch auf ihren Erzeugnissen sitzenzubleiben. "Das regionale Gemüse kann jedoch nicht Überträger des EHEC-Erregers sein, da es in Gewächshäusern gezogen wird und mit Gülle nicht in Kontakt kommt", sagte Jende. Entlassungen habe es wegen der EHEC-Krise bisher nicht gegeben.

Etwa 80 Prozent der Brandenburger Ware wird nach Berlin geliefert. Der Geschäftsführer des Berliner Einzelhandelsverbands, Nils Busch-Petersen, bestätigte, dass die meisten Händler Vorsichtsmaßnahmen ergriffen hätten. "Das Angebot an Gurken, Salat und Tomaten ist reduziert worden. Gemüse aus Spanien oder Holland wurde gänzlich aus dem Angebot gestrichen."