Winterdienst

Im Winter wird der Platzwart zum Schneeräumer

Der Sommer hat noch nicht richtig begonnen, da wird in den Bezirken bereits für den nächsten Winter geplant. Bis Ende Juni werden die Aufträge für den Eis- und Schneeräumdienst vergeben.

Um Ärger wie in den vergangenen Jahren über ungenügende Qualität und Kosten der Dienstleistungen zu vermeiden, gehen etliche Verwaltungen dabei allerdings neue Wege. Am weitesten entfernt sich Friedrichshain-Kreuzberg vom bisherigen Verfahren einer berlinweit zentralen Ausschreibung: Dort soll zunächst ein kleiner, ab 2012 sukzessive ein immer größerer Teil der kommunalen Flächen statt von privaten Firmen wieder von bezirkseigenem Personal geräumt werden.

Mindestens 30 000 Euro pro Jahr will Finanz- und Sportstadtrat Jan Stöß (SPD) mittelfristig allein bei den Sportanlagen sparen. Diese machen rund zehn Prozent aller bezirklichen Liegenschaften aus, deren angrenzende Bürgersteige und Plätze auf Bezirkskosten geräumt werden müssen. Allein im Dezember 2010 seien die Räumkosten im gesamten Bezirk von früher 3000 auf 22 000 Euro gestiegen, so Stöß. "Im Sportbereich wollen wir jetzt vorangehen, weil die Platzwarte im Winter noch Kapazitäten haben. Wir sehen aber auch Möglichkeiten zum Beispiel im Grünflächenamt, dieses Pilotprojekt auszudehnen." Davon verspreche er sich nicht nur eine Kostensenkung, sondern auch mehr Zuverlässigkeit und Qualität. Allerdings muss zunächst in den nötigen Gerätepark investiert werden. 40 000 Euro sind allein für vier Multifunktionsgeräte eingeplant, mit denen man nicht nur Schnee räumen, sondern auch die Bürgersteige fegen oder Rasen mähen kann.

Winterdienst allein durch bezirkseigenes Personal hält Reinickendorfs Baustadtrat Martin Lambert (CDU) dagegen für unmöglich. "Das hieße ja, dass die Leute bisher nichts zu tun hätten", so Lambert. Reinickendorf hatte schon im vergangenen Winter auf Sportwarte, Hausmeister und den Ordnungsdienst zurückgreifen müssen, nachdem die private Räumfirma ausgefallen war. Für die kommende Saison würden die Aufträge nun in mehreren Losen vom Bezirk selbst vergeben, sagt Lambert. Lediglich zwei Bezirke nutzen hierfür noch das Landesverwaltungsamt. Deren zentrale Ausschreibung sollte ursprünglich Kosten sparen und die Organisation verbessern.