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Charité-Tarifstreit: Gewerkschaft droht mit neuen Streiks

In den Tarifverhandlungen zwischen den Gewerkschaften und der Charité gibt es neuen Ärger. Ver.di und der Beamtenbund kritisieren die öffentlichen Vorwürfe seitens des Universitätsklinikums. Es sei "eine Unart", den Verhandlungspartner während der Gespräche zu verunglimpfen.

"Wir haben den Streik nur ausgesetzt. Sollten die Verhandlungen scheitern, gibt es einen neuen Ausstand", sagte Ver.di-Sprecher Andreas Splanemann.

Am Mittwoch hatte die Charité einen Brief an alle Mitarbeiter veröffentlicht. Darin hieß es unter anderem, dass Gewerkschaften "zweifelhafte politische Spiele" zulasten von Beschäftigten und Patienten machten. Laut Charité sei die Hauptforderung, das Gehalt der 10 000 Schwestern, Pfleger und Techniker auf Bundesniveau anzugleichen, erfüllt. Das Universitätsklinikum bietet bis 2012 monatlich 200 Euro mehr, bis 2014 soll es weitere, prozentuale Steigerungen geben.

Ver.di und Beamtenbund fordern eine schnellere Angleichung. Offenbar sind besonders Pflegekräfte am Campus Benjamin Franklin in Steglitz mit der Angleichung unzufrieden, weil diese zu spät komme. Eine Vollzeit-Schwester erhält nach zehn Dienstjahren mit Nachtschichten im Schnitt derzeit weniger als 2500 Euro brutto im Monat. Das sind rund 300 Euro weniger als an vielen anderen deutschen Kliniken gezahlt wird.

Der mehrtägige Ausstand Anfang Mai hatte Europas größtes Uniklinikum weitgehend lahmgelegt, unter anderem wurden Intensiv- und Rettungsstellen bestreikt, täglich konnten 200 Behandlungen nicht durchgeführt werden. Umliegende Krankenhäuser, die Charité-Patienten aufnahmen, klagten über viel zu lange Wartezeiten in den Rettungsstellen.