Tarifkonflikt

Charité-Streik: Gewerkschaft stellt neue Forderungen

Für die Charité schien alles klar. Die Tarifverhandlungen zwischen dem Berliner Universitätsklinikum und den Gewerkschaften Ver.di sowie der DBB Tarifunion waren intern abgeschlossen, die Tarifkommissionen beider Arbeitnehmerverbände hatten dem Zwischenergebnis schon zugestimmt. Doch nun stellt Ver.di neue Forderungen.

Nach einem Streik des Klinikpersonals hatte die Charité in den Verhandlungen eingewilligt, die Gehälter der 7000 Klinikmitarbeiter bis 2014 schrittweise auf Bundesniveau anzupassen. Die Angestellten sollten dann monatlich 200 Euro mehr Gehalt erhalten. Nach derzeitigem Stand sollten die Gehälter des Pflegepersonals aus den besonders arbeitsintensiven OP-Bereichen und den Intensivstationen um 250 Euro monatlich erhöht werden. Zur Überbrückung der Wartezeit bis 2014 sollten die Charité-Mitarbeiter in diesem Jahr einmalig 300 Euro bekommen.

Jetzt aber fordert Ver.di nach einer Mitgliederinformationsveranstaltung am Montag eine Wiederaufnahme der Verhandlungen. An der Veranstaltung hätten rund 350 der betroffenen Charité-Mitarbeiter teilgenommen. "Wir waren einem Endergebnis am Dienstag greifbar nahe. Die Forderung von Nachbesserungen in den zentralen Fragen des Anpassungsprozesses an das Bundesniveau und die Entgelthöhe entsprechen deshalb nicht einer akzeptablen und fairen Verhandlungsführung", sagte Charité-Direktor Matthias Scheller am Mittwoch.

Der Streik sei nicht beendet, sondern nur ausgesetzt und ein schnelles Verhandlungsergebnis werde es nicht geben, kündigte Ver.di-Sprecher Andreas Splanemann an. "Die Stimmung an der Charité ist schlecht, zudem haben wir Anhaltspunkte, dass die Klinikmitarbeiter derzeit nicht einverstanden sind." Zu den neuen Forderungen wollte sich Splanemann nicht äußern. Da Ver.di von der Charité eine Reaktion auf die Nachforderungen binnen 24 Stunden verlangte, hat das Universitätsklinikum für den heutigen Donnerstag ein weiteres Treffen angesetzt.