Gedenkstätte

Haftkrankenhaus der Stasi nach Sanierung geöffnet

Das ehemalige zentrale Haftkrankenhaus des DDR-Staatssicherheitsdienstes in Hohenschönhausen kann wieder besichtigt werden. Nach 13-monatiger Sanierung des unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes im früheren Stasi-Gefängnis an der Genslerstraße 66 werden am morgigen Sonntag wieder die ersten Führungen angeboten.

Sie beginnen um 10.15 Uhr und dauern jeweils 90 Minuten. Die letzte Runde in der heutigen Gedenkstätte startet um 16.15 Uhr. Künftig finden jeden Mittwoch um 13 Uhr Besichtungen statt, für Gruppen nach vorheriger Anmeldung.

Das Krankenhaus war 1995 in einem stark verwüsteten Zustand von der Gedenkstätte übernommen worden.

Nach der Sanierung können die Besucher nun wieder die historische Alarmanlage hören und die sogenannte "Ampelanlage" erleben, mit der verhindert werden sollte, dass sich Häftlinge begegneten. Auch die einstige Überwachungszentrale funktioniert wieder. Heizungs- und Elektroanlagen wurden erneuert, Wände geweißt. Die Besucher können die Krankenzellen, den OP-Saal, die Röntgen- und Laborräume sowie das Chefarztbüro weitgehend im Originalzustand besichtigen. Allerdings sind nicht mehr alle medizinischen Geräte aus DDR-Zeiten vorhanden.

Gedenkstätte-Direktor Hubert Knabe sprach am Freitag bei einem Presserundgang von einem "Krankengefängnis". Die Häftlinge seien einem medizinischen Apparat ausgeliefert gewesen, der ausschließlich darauf ausgerichtet war, sie trotz schwerster Erkrankungen für Vernehmungen oder einen Prozess wieder einigermaßen fit zu bekommen. In Hohenschönhausen wurden zwischen 1960 und 1989 genau 3170 Inhaftierte aus der gesamten DDR stationär behandelt. Darunter waren auch an der innerdeutschen Grenze oder an der Mauer angeschossenen Flüchtlinge sowie Häftlinge, die einen Selbstmordversuch unter Hungerstreik unternommen hatten. Dem Wachpersonal standen Schlagstöcke, Handfesseln, Gassprays, Fesseln, Zwangsjacken und Pistolen zur Verfügung.

Die damalige junge Moderatorin des DDR-Fernsehens, Edda Schönherz, wurde wegen angeblichen Versuchs einer Republikflucht 1974 in Hohenschönhausen inhaftiert. "Als meine Periode ausblieb, meldete ich mich für die Krankenstation", sagt sie. Aber man habe ihr eine angebliche Schwangerschaft einreden und sie zur Abtreibung überreden wollen. Als sich Schönherz weigerte, wurde sie mit starken Psychopharmaka ruhig gestellt. Sie sagt: "Wir waren den Leuten in Weiß einfach hilflos ausgeliefert."