Serie: Berliner Stadtentwicklung, Teil 2

Maritimes Flair in Lichtenberg

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Ingo Rössling

"An der Mole" - diesen maritimen Namen trägt ein neues Wohnquartier, das zwischen Bahnhof Ostkreuz und Rummelsburger See entsteht. Es soll etwa 400 Wohnungen umfassen, aber auch ein Büro-, Shopping- und Freizeit-Viertel. Das neue Konzept des Berliner Büros AFF Architekten für die 90 000 Quadratmeter große Fläche wurde jetzt vorgestellt.

Es war aus einem städtebaulichen Gutachterverfahren der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, des Bezirksamtes Lichtenberg und des Liegenschaftsfonds als Sieger hervorgegangen.

Baustadtrat Andreas Geisel (SPD): "Im Gegensatz zu früheren Konzepten für dieses letzte Entwicklungsgebiet an der Rummelsburger Bucht wird nicht mehr so stark auf den Bau von Bürogebäuden gesetzt." 50 Prozent der Quartierfläche soll eine Wohnnutzung erhalten, die fast ausnahmslos mit Seeblick aufwarten kann. Architekt Alexander Georgi geht von unterschiedlichen Wohnformen "im Sinne eines Baukastensystems" aus, so von sechsgeschossigen Gebäuden mit kleinen, preisgünstigen Wohnungen an beiden Hauptstraßen, aber auch von Einfamilien-Reihenhäusern des an der Rummelsburger Bucht beliebten Typs "Berlin terraces" und "Urban Villas" mit gehobenem Standard.

Geisel zufolge gibt es bereits zahlreiche Interessenten, weil das neue Quartier eine hervorragende Verkehrsanbindung und Wasserlage habe. Eine Investitionssumme könne noch nicht genannt werden. Es werde aber bestimmt ein dreistelliger Millionenbetrag sein.

Mitten durch das Quartier "An der Mole" soll vom neuen Stadtplatz am Bahnhof Ostkreuz eine promenadenartige Esplanade zum Rummelsburger See führen. Dort wird eine große Steganlage für Ausflugsdampfer, Motor- und Segelboote errichtet. Geisel "Wir setzen auch auf Gaststätten am Wasser, die für alle Berliner eine Attraktion sind, und auf viele Geschäfte." Neben SB-Märkten bis zu einer Größe von 500 Quadratmetern denke man an kleine Spezialläden und an Fachmärkte mit bis zu tausend Quadratmeter Verkaufsfläche.

Planungsrecht liegt vor

Als Kunden erwarte man auch viele Fahrgäste der S- und Regionalbahn, die beim Umsteigen auf dem Bahnhof Ostkreuz einen Zwischenstopp zum Shopping einlegten. Die Uferpromenade wird weiter ausgestaltet. Das berühmte Paul- und Paula-Ufer bleibt mit seinen alten Bäumen erhalten. Schon im kommenden Jahr soll an der künftigen Mole ein Steg für Dampfer und Boote angelegt werden. Die Baugenehmigung wurde bereits erteilt. Die Deutsche Bahn AG will auch ihren historischen Wasserturm am Ostkreuz integrieren.

Planungsrecht für das Quartier "An der Mole" wurde bereits geschaffen. "Bis 2011 möchte das Bezirksamt einen Bebauungsplan vorlegen", so Geisel. 2012 könne dann der Liegenschaftsfonds mit der Vermarktung der Grundstücke starten. Baubeginn solle 2013 sein. "Wir hoffen, dass 2016 alles fertig ist", so der Stadtrat. Im Jahr 2016 soll auch der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz abgeschlossen sein.

Als wichtige Voraussetzungen für das Mole-Projekt wurden schon die untere Kynaststraße neu gebaut, der bisherige dortige Sportplatz an die Fischerstraße in Rummelsburg umgelagert und die 110-Kilovolt-Hochspannungsleitung an der Hauptstraße zwischen Kraftwerk Klingenberg und Bahnhof Ostkreuz unterirdisch verlegt. Die nicht mehr benötigten Masten sind abgebaut worden. Auf der Lichtenberger Seite der Rummelsburger Bucht - zu DDR-Zeiten als Armee- und Gefängnisgelände völlig abgeschottet - leben derzeit 3800 Menschen. Seit 1994 entstanden dort mehr als 1300 Wohnungen in Wohnblöcken, Terrassenhäusern oder in den zwei Künstlerdörfern "Artists Village". Die ehemalige Haftanstalt Rummelsburg mit ihren historischen Backsteingebäuden wurde zum Wohnpark "Berlin Campus" mit knapp 150 Eigentums- und Mietwohnungen umgewandelt.