Bahn

Dieselqualm verpestet die Luft in Nikolassee

Wenn am Sonntagabend die Titelmusik vom Tatort erklingt, schließt Sascha von Eicken in Nikolassee seine Fenster. Nicht weil er Angst vor Verbrechern bekommt, sondern weil um diese Zeit auf dem benachbarten Verladebahnhof der DB Autozug GmbH ein Zug abgefertigt wird. Ätzender Qualm, so schildert es der Rechtsanwalt, steige dann auf und ziehe selbst bei geschlossenen Fenstern durch alle Ritzen.

An Lüften oder Schlafen bei offenem Fenster sei nicht mehr zu denken, seine Terrasse könne er im Sommer nicht nutzen. Denn der Autoreisezug werde mehrmals die Woche zwischen 6 und 22 Uhr beladen.

Das Problem ist eine Diesellokomotive, die seit vier Jahren dort im Einsatz ist. Sie wird zum Rangieren der Waggons genutzt. "Diese Lok ist 40 Jahre alt und mit keinerlei Filter oder geruchsreduzierenden Einbauten ausgestattet", sagt Sascha von Eicken. Bevor sie in Betrieb gehe, laufe sie oft erst eine halbe Stunde warm und verbreite einen solchen Gestank, dass man meint, die Bahn verbrenne ihren Müll auf den Gleisen.

Die Anwohner der Nibelungenstraße fordern die Bahn deshalb auf, eine Elektrolok einzusetzen. Dafür müsste allerdings erst der Verladebereich elektrifiziert werden. Eine Rückkehr zum alten Zustand wäre auch eine Lösung. Bevor die Diesellok zum Einsatz kam, hat die DB Autozug die Lok vom S-Bahnhof Grunewald heranfahren lassen. "Diese Lok war groß genug und bis zum S-Bahnhof Wannsee warmgefahren und verbreitete keinerlei wahrnehmbare Emissionen", sagt der 40 Jahre alte Jurist.

Bislang ist die Deutsche Bahn AG, in deren Auftrag die DB Autozug arbeitet, auf keine Forderung eingegangen. "Uns ist das Thema bekannt", sagte eine Bahn-Sprecherin. Die zuständige Fachabteilung gehe den Hinweisen nach. Man hoffe, dass das Problem in den nächsten Wochen geklärt werden könne, heißt es.

Daran möchten die Anwohner gern glauben. Vier Jahre währt der Streit nun schon, in den auch das Eisenbahn-Bundesamt in Bonn eingeschaltet ist. Das Amt hat den Einsatz der Lok geprüft und keine Möglichkeiten "eines aufsichtsbehördlichen Einschreitens" gesehen. In einer Stellungnahme hat sich die DB Autozug GmbH auf die Zulassung der Lok aufgrund der Eisenbahn-Bau- und Betriebordnung berufen.

Der Streit beschäftigt mittlerweile auch die Bezirksverordnetenversammlung. Die Fraktionen von CDU und Grünen setzten sich dafür ein, dass die Diesellokomotive durch eine umweltfreundliche E-Lok ersetzt wird. Auch Michael Braun, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU im Abgeordnetenhaus, ist mit dem Autozug-Unternehmen im Gespräch. Er wolle erreichen, dass die Diesellok nachgerüstet werde, zum Beispiel mit einem Katalysator, sagt Braun. Ob das technisch auch machbar ist, wisse er aber noch nicht.

Als sich die Anwohner Mitte April erneut an das Eisenbahn-Bundesamt gewandt hatten, weil es so sehr qualmte, dass sie einen Defekt an der Lok vermuteten, hieß es in der Antwort lapidar: "Grundsätzlich ist nicht auszuschließen, dass es bei dem Einsatz von Triebfahrzeugen zu Schäden an diesem kommt." Es sei ebenso wenig zu 100 Prozent auszuschließen, dass Beschäftigte von Eisenbahnverkehrsunternehmen im Einzelfall gegen geltende Vorschriften verstoßen. Das Eisenbahn-Bundesamt, so hieß es weiter, werde ausschließlich im Rahmen einer stichprobenartigen Aufsicht tätig. Eine Vollüberwachung, wie sie vielfach gefordert werde, sei vom Gesetzgeber nicht vorgesehen. Im Übrigen sollten die Anwohner davon absehen, mit einer Dienstaufsichtsbeschwerde zu drohen, da diese den zeitlichen Ablauf der Prozesse nicht beeinflusse. Nach Erhalt dieses Schreibens haben sich die Anwohner an die Öffentlichkeit gewandt.