Statistik

Briefwähler wählen CDU, Jüngere meiden SPD

| Lesedauer: 2 Minuten
Jens Anker

Rüstige Rentner sind die fleißigsten Wähler. Das geht aus der repräsentativen Wahlstatistik hervor, die Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás gestern im Roten Rathaus vorstellte. Bei der Bundestagswahl gingen fast acht von zehn der 60- bis 70-jährigen Berliner wählen (78,9 Prozent).

Bei den über 70-Jährigen nimmt die Wahlbeteiligung dagegen wieder ab (72,4 Prozent). Von den 21- bis unter 25-Jährigen hingegen gingen nur sechs von zehn der entsprechenden Altersgruppe zur Wahl (60,4 Prozent). Das ist der niedrigste Anteil. Der Durchschnitt lag bei 71,9 Prozent. Insgesamt zeigte die Wahlstatistik, dass die Bereitschaft zur Wahl mit dem Alter zunimmt.

Auch bei der Briefwahl lagen die 60- bis 70-jährigen Berliner vorn. Mehr als jeder Vierte (26,4 Prozent) stimmte per Post ab. Bei den Erstwählern war es nur jeder Zehnte (9,8 Prozent). Bei den Briefwählern lag die CDU mit 27,0 Prozent der abgegebenen Stimmen vorn. Die anderen Parteien erhielten deutlich weniger Stimmen. (SPD: 18,4 Prozent; Linke 17,7; Grüne: 18,7; FDP: 12,1).

Insgesamt sank die Wahlbeteiligung um fast sechs Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl im Jahr 2005. Bei den jüngsten Wählern (18 bis 21) ging die Wahlbeteiligung sogar um 9,5 Prozentpunkte zurück. Somit erhalten die Stimmen der älteren Wähler ein immer stärkeres Gewicht: Die Wahlbeteiligung ist höher, und die absolute Zahl der älteren Menschen nimmt wegen des demografischen Wandels stetig zu. Schon jetzt sind 60 Prozent der Wähler älter als 45 Jahre. Dagegen schrumpfte der Anteil der 18 bis 35 Jahre alten Wähler auf 24 Prozent aller Wahlberechtigten.

Die SPD hat in Berlin ein Problem, jüngere Wähler zu erreichen, wie die Wahlanalyse des Wahlleiters zeigt. Bei den jüngsten Wählern verloren die Sozialdemokraten im Vergleich zu 2005 satte 25 Prozentpunkte in der Wählergunst. Dagegen konnte die CDU traditionell bei den älteren Wählern punkten. Ein Drittel der Generation 60 plus entschied sich bei der Wahl für die CDU (32,9). "Bei den älteren Wählern ist die CDU seit Jahren stärkste Partei", sagte der Geschäftsstellenleiter des Statistischen Landesamtes, Geert Baasen.

Nach wie vor wählen die Berliner mit großer Mehrheit mit der Erst- und Zweitstimme dieselbe Partei. Bemerkenswerte Unterschiede gibt es bei den Grünen und der FDP. Von 100 Wählern, die mit der Zweitstimme die Grünen gewählt haben, entschieden sich 27 mit der Erststimme für die SPD. Bei der FDP gaben 43,4 Prozent der Zweitstimmenwähler der CDU ihre Erststimme. Dagegen gaben mehr als 75 Prozent der Wähler von CDU, SPD und Linken beide Stimmen jeweils einer Partei. "Ältere Wähler splitten seltener als jüngere Wähler", sagte Baasen.