Das Drehbuch

Im Bett mit Königin Luise

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Mit großem Aufwand produziert Hollywood in Berlin einen Film über Preußens beliebteste Königin. Den Berlinern, die ihre Luise wie eine Heilige verehren, werden gewisse Details dieses Biopic nicht schmecken.

Schon haben Professoren der Humboldt-Universität warnend ihre Stimme erhoben. Vor allem der historische Wahrheitsgehalt einer Sequenz, die derzeit unter Sophia Coppolas Regie im Kronprinzenpalais entsteht, wird angezweifelt: In Tilsit, am 6. Juli 1807, soll Louise mit Napoleon für ein paar Stunden allein gewesen sein ... Ein Skandal sei das, barmt der "Bild"-Kolumnist. "Nicht auszumalen, was bei einer so intimen Begegnung alles hätte geschehen können!" - "Wer sich auskennt in Napoleons Biografie", erklärt schmunzelnd die amerikanische Regisseurin (Marie Antoinette), "weiß, dass sich der korpulente korsische Corporal nicht nur Nationen gefügig zu machen wusste ..." Königin Luise, vor ihrem Tilsiter Opfergang eine wütende Feindin des Empereur, sei nach der Rückkehr wie verwandelt gewesen. Von Friedrich Wilhelm III. gefragt, wie sie den Korsen ertragen habe, wusste die Gattin überraschend Freundliches, ja Versöhnliches zu berichten.

Unter Sophia Coppolas Regie spielt Kirsten Dunst nach Marie Antoinette zum zweiten Mal eine historische Rolle. Kein Problem für die bezaubernde Kirsten, sich als Königin Luise mit Napoleon in einer ziemlich freizügigen Bettszene zu zeigen. "Hätte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten das nicht verhindern können?" fragt eine Berliner Tageszeitung. Schockierend auch ein Spaziergang der Königin Unter den Linden: Passanten in zeitgenössischen Kostümen bemerken, dass unter Luises hauchdünnem Mousselinegewand sich ein Bäuchlein wölbt. "Napoleons Baby", raunen die Leute einander zu.

"Wenig später bin ich tot", verrät der Hollywoodstar, "vergiftet von Köckeritz, einem der Ratgeber meines königlichen Gemahls ..." Sobald der Film in die Kinos kommt, wird in Berlin ein Sturm der Entrüstung losbrechen.

Wolfgang Kirchner, geboren in Danzig, schreibt Drehbücher für Filme wie "Die Brücke" (2008) und lehrt Drehbuchschreiben in Hamburg, Freiburg und München. Für unsere Serie hat er überlegt: Was für ein Film könnte in dieser Straße spielen?