Demonstration

Rechtsextreme marschieren in Moabit auf

Mit einem bizarren Auftritt hat sich nach längerer Zeit in der Versenkung eine Neonazi-Gruppe zurückgemeldet, die die Behörden als besonders radikal und gewaltbereit einstufen. Mit brennenden Fackeln und rechtsradikalen Parolen zogen Angehörige der "Nationalistischen Befreiungsfront" am Freitagabend durch Moabit.

Nach knapp einer halben Stunde war der Spuk allerdings wieder vorbei. Nachdem die Gruppe gegen 22 Uhr den U-Bahnhof Turmstraße erreicht hatte, verschwand die Mehrheit der insgesamt zwei Dutzend rechten Marschierer so plötzlich wie sie aufgetaucht waren. Vier mutmaßliche Mitglieder der Neonazi-Truppe konnte die zwischenzeitlich alarmierte Polizei kurz nach Ende der Veranstaltung festnehmen. Gegen sie wird jetzt wegen Volksverhetzung ermittelt.

Zuvor glaubten Anwohner der Birkenstraße und der Wilhelmshavener Straße ihren Augen und Ohren nicht zu trauen, als die Demonstranten vorbeizogen. Abwechselnd skandierten sie wüste Parolen oder brachten lautstark Liedgut der rechtsradikalen Szene zu Gehör. Die Demonstranten ließen sich durch die Ablehnung, die ihnen in Moabit entgegenschlug, nicht irritieren. Gestern feierten sie im Internet ihren Aufzug. Sie verdoppelten die Zahl der Teilnehmer kurzerhand auf 50 und gaben bekannt, diese seien angetreten, ihren Unmut gegen herrschende Zustände "herauszuschreien". "Mit dem Lied ,Ein junges Volks steht auf' auf den Lippen, sei man kämpferisch die Straßen hinuntergezogen", heißt es dort weiter.

Die geringe Zahl der Marschierer dürfe allerdings kein Anlass sein, die rechtsradikale Gruppe zu unterschätzen, warnen Extremismus-Experten. Die "Nationalistische Befreiungsfront" tritt nach Erkenntnissen der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus nicht nur mit Flugblattaktionen und Schmierereien in Erscheinung. Einzelne Mitglieder stehen auch in dem dringenden Verdacht, an gewalttätigen Übergriffen gegen Angehörige und Treffpunkte von linken Gruppen beteiligt gewesen zu sein. Im Internet tritt die Gruppe sie nicht nur als "Nationalistische Befreiungsfront" auf, sondern gelegentlich auch als "Nationale Bürgerbewegung Berlin". Beim Verfassungsschutz vermutet man, dass die Gruppe ein Sammelbecken ehemaliger Angehöriger der "Freien Nationalisten Berlin Mitte" (FN-Mitte) ist. Die der rechtsradikalen, als gewalttätig eingestuften Kameradschaftsszene entstammende FN-Mitte gab im September dieses Jahres nach mehreren Polizeieinsätzen gegen die Gruppe ihre Selbstauflösung bekannt. "Möglicherweise war das Taktik und der Verein macht jetzt unter einem neuen Namen weiter", vermutet ein Verfassungsschützer.