Bildungspolitik

An den Universitäten werden die Master-Studienplätze knapp

Claudia Reggentin ist eine gute Studentin. Vor ihrem Bachelor-Abschluss im vergangenen Jahr hatte sie einen Notendurchschnitt von 1,6. Damit bewarb sich die Geschichtsstudentin für einen Masterstudiengang an der Humboldt-Universität. Sie wurde allerdings nicht angenommen. "

Die Kapazitäten des Studiengangs sind ausgeschöpft" hieß es in dem Schreiben, das Claudia Reggentin von der Universität bekam.

Für die 30-Jährige ein existenzbedrohender Satz. Nicht sofort weiterstudieren zu können, gefährdete ihre Stelle als studentische Mitarbeiterin der Humboldt-Universität in der Grimm-Bibliothek. Zudem würde sie ihren Anspruch auf BAföG, die staatliche Förderung zum Studium, verlieren. Also durchforstete Claudia Reggentin die Stellenanzeigen. "Ich fand nichts. Überall wurden Absolventen mit Diplom oder Masterabschluss gesucht." Ein Bachelor in Geschichte sei auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt.

Es sei eine große Erleichterung gewesen, als Claudia Reggentin schließlich im Nachrückverfahren an der HU angenommen wurde. Sonst hätte die Geschichts-Studentin geklagt, einen entsprechenden Antrag hatte sie beim Verwaltungsgericht Berlin bereits eingereicht.

Claudia Reggentin ist kein Einzelfall, denn an den Berliner Hochschulen sind Plätze in Master-Studiengängen knapp. Grund dafür ist die Regelung des Landes Berlin. Die sieht nur für die Hälfte der Bachelor-Studenten ein weiterführendes Studium vor.

Einige Studenten sind jedoch auf den Master angewiesen und bekommen nur mit dem Bachelor-Abschluss keinen Job. Lehrer etwa dürfen ohne den Abschluss nicht unterrichten. An der Humboldt-Universität und der Freien Universität übernimmt man deshalb 100 Prozent der Studenten aus diesem Fach ins Master-Studium. "In Deutsch und Englisch haben wir doppelt so viele Studenten angenommen, wie ursprünglich vorgesehen war, um die Lehramtstudenten nicht in eine prekäre Situation zu bringen", sagt der Vizepräsident der HU, Michael Kämper-van den Boogart. Die Plätze fehlten dann aber in anderen Fächern, in BWL bewarben sich auf 50 Plätze 527 Interessenten. 5500 Studierende wollten im vergangenen Wintersemester an der HU den Master machen - allerdings gab es nur 1800 Plätze. Die Bewerber kommen nicht nur von der jeweiligen Uni, sondern aus dem In- und Ausland. Und es werden immer mehr. "Da in den nächsten Jahren mehr Studenten mit dem Bachelor fertig werden und sich danach auf den Master bewerben, wird sich die Lage zuspitzen", sagt Michael Kämper-van den Boogart. Wenigstens für die Lehramtsstudierenden müsse das Land Berlin den Master finanzieren, sagt der HU-Vize. "Das Land ist in der Verantwortung, schließlich ist es Arbeitgeber der Lehrer."

Eine Gruppe Studierender fordert nun in einem Volksbegehren eine freie Zulassung aller Bachelor-Absolventen zum Masterstudiengang. Sie haben einen Gesetzesentwurf verfasst, für den sie in den nächsten sechs Monaten 20 000 Unterschriften sammeln wollen. Die Initiative solidarisiere sich deshalb mit den Berliner Studenten, die am Mittwoch bei Vollversammlungen an den Berliner Universitäten den Protest gegen die Hochschulpolitik von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) vorbereiten. Der Initiator des Volksbegehrens "Freie Zulassung zum Masterstudiengang", Alexander Klute, hofft auf eine Protestwelle: "Es kann nicht sein, dass die Verschuldung des öffentlichen Haushalts durchgehend als Argument gegen Investitionen im Bildungsbereich dienen kann", sagt der Lehramtstudent. Keiner studiere, um später arbeitslos zu werden.