Bildung

Heftige Proteste gegen Schulreform dauern an

Trotz der Kritik von Eltern, Schülern und Oppositionsparteien an dem neuen Auswahlverfahren für die Oberschulen in Berlin hat sich die Reform aus der Sicht von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) bewährt.

Die Bezirke hatten in der vergangenen Woche die Plätze für Grundschulabgänger an Gymnasien und Sekundarschulen verteilt, die Schulen hatten erstmals auch Plätze verlost.

Kurz vor den Osterferien war bekannt geworden, dass viele Schüler zu der ihnen nun zugeteilten Oberschule deutlich längere Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen als bisher. Weil sie keinen Schulplatz in Wohnortnähe zugeteilt bekommen haben, müssen einige Schüler nun quer durch die Stadt fahren. Etwa von Lichtenrade nach Hellersdorf, was entsprechend viel Zeit benötigt. Senator Zöllner verteidigt seine Reform dennoch.

"93 Prozent sind an Wunschschule"

Auch in der Vergangenheit hätten nicht alle Schüler eine Schule in Wohnortnähe besuchen können. Das neue Verfahren habe dafür gesorgt, "dass 93 Prozent der Kinder an einer ihrer drei Wunschschulen untergebracht werden konnten". Für den Rest der zu versorgenden Kinder würden sich die Bezirke bemühen, verträgliche Lösungen zu finden. Laut mehrerer Mitteilungen der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung in den vergangenen Tagen ist das Aufnahmeverfahren an den weiterführenden Sekundarschulen reibungslos verlaufen. Von den rund 26 700 Anmeldungen konnte in 24 905 Fällen den Schulwünschen entsprochen werden, heißt es. Dem größten Teil der noch verbliebenen rund 1800 Anmeldungen konnte ein Platzangebot im eigenen oder benachbarten Bezirk unterbreitet werden. Am Ende der Woche waren noch 158 zu versorgende Kinder übrig. Davon laut Zöllner 91 im Bereich der Integrierten Sekundarschulen und 67 im Gymnasialbereich, insgesamt 0,6 Prozent aller Anmeldungen. Sie werden Plätze in zusätzlich eingerichteten Klassen unter anderem in Friedrichshain-Kreuzberg und Lichtenberg erhalten.

Im Vergleich zum Vorjahr waren rund 4000 Schülerinnen und Schüler mehr an weiterführenden Schulen unterzubringen, so der Senat. Gleichzeitig hätten alle Eltern die Informationen über einen Schulplatz so frühzeitig wie noch nie erhalten.

Die CDU hatte angekündigt, das Losverfahren wieder abzuschaffen, sollte sie nach den Wahlen im September in den Senat einziehen. Schwache Schüler, die per Los ans Gymnasium kommen, seien zum Scheitern verurteilt, so CDU-Bildungsexperte Sascha Steuer. Andere müssten nun durch die halbe Stadt fahren, um zu ihrer Schule zu gelangen, kritisiert er. Familien, die für ihre Kinder keinen Platz an einer gewünschten Schule erhalten haben, wollen gegen die negativen Schulbescheide klagen. Einige haben bereits Anwälte konsultiert.

Wie verunsichert viele Eltern von Grundschulkindern sind, hatte Susanne Leinemann, Autorin dieser Zeitung, in der Sonntagausgabe beschrieben. Sie finden den Artikel auch im Internet unter: morgenpost.de/berlin

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