Stadtplanung

Grünanlagen statt Parkplätze in der City West

Parkplätze sind knapp in der Stadt - geht es nach der SPD und den Grünen, sollen es noch weniger werden. "Das beste Fahrzeug ist das, das nicht da ist - nicht das, das man nicht sieht, weil es in einer Tiefgarage steht", findet Sibylle Centgraf, Bezirksverordnete für die Grünen in Charlottenburg-Wilmersdorf, und schmetterte einen Antrag der FDP nach einer Tiefgarage unter dem Olivaer Platz ab.

Nachdem am Stuttgarter Platz mit der Unterstützung einer Bürgerinitiative bereits 200Plätze zugunsten eines neuen Parks entfallen sind und auf dem neu gestalteten Lehniner Platz auch fast 70 gestrichen werden, soll jetzt auch der Parkplatz auf dem Olivaer Platz weichen - oder höchstens noch halb so groß sein. Für Autofahrer wird es eng am Kudamm.

Gegen die Stimmen von CDU und FDP haben Grüne und SPD das Bezirksamt gerade beauftragt, für den vorgesehenen landschaftsplanerischen Wettbewerb zur Neugestaltung des Stadtplatzes, den das Bauamt in Kürze ausschreiben will, zwei Varianten prüfen zu lassen: den gesamten Olivaer Platz als Frei- und Spielfläche zu konzipieren und eine zweite Variante mit maximal 60 Parkplätzen.

Momentan hat der Platz 123 legale Stellplätze, die nach Angaben der Bauverwaltung tagsüber aber meistens mit rund 145 Autos überparkt sind. Rechtsanwalt Volker Nitschke, der das Glück hat, ganz in der Nähe seiner Kanzlei am Kurfürstendamm zu wohnen, läuft jeden Tag über den Olivaer Platz. Er verfolgt die Diskussionen um die Neugestaltung deshalb mit besonderem Interesse - bereits seit gut einem Jahr.

Er ist entsetzt darüber, dass "ein paar Anwohner, die nicht mehr im Arbeitsleben stehen und es sich schön machen wollen, die Debatte bestimmen" - ohne zu berücksichtigen, wie die arbeitende Bevölkerung damit zurechtkommt. Dahinter stecke dieselbe Ideologie, die die Verkehrspolitik des Senats an den Tag lege: den Individualverkehr so zu erschweren, dass die Leute die Lust aufs Autofahren verlieren. Viele Berliner benutzten das Auto ohnehin nur noch, wenn es unbedingt nötig sei. Auch Arbeitnehmer bräuchten Parkplätze. "Wenn unsere Mitarbeiterin beispielsweise - eine alleinerziehende Mutter, die ihre Kinder zur Schule und in den Kindergarten bringt und nachmittags abholt - keinen Parkplatz mehr hat, weiß sie nicht, wie sie den Job und die Kinder auf die Reihe kriegen soll", kritisiert Nitschke das Vorhaben.

Die Planung für den Olivaer Platz kommt nur schleppend voran. Nach den Vorstellungen der Bürgerinitiative unter Federführung der ehemaligen baupolitischen Sprecherin der SPD in der Bezirksverordneten-Versammlung, Monica Schümer-Strucksberg, sollen die Bürger den Park später auch mithelfen zu pflegen.

Nitschke regt besonders auf, dass die jetzigen Parkplatznutzer künftig private Stellplätze in der Gegend nutzen sollen: "Die private Tiefgarage am Platz ist voll, und dass gerade die SPD als Arbeiterpartei solche Empfehlungen macht, bei denen monatlich rund 200 Euro fällig werden, ist doch grotesk."

Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) warnt unterdessen davor, die Stellplätze auf dem Olivaer Platz komplett zu streichen. Schon bei weniger als 100 Stellplätzen prognostiziert er Probleme: "Durch den Wohnungsausbau im Haus Cumberland und auch durch die geplanten Neubauten an der Württembergischen Straße ganz in der Nähe auf dem ehemaligen Kleingartengelände steigt der Bedarf nach Parkplätzen."