Sicherheit

Ordnungsamt auf Patrouille gegen wildes Grillen in Mitte

Die ersten Berliner wollen bereits wieder den Großen Tiergarten zum Grillen nutzen, doch es droht Bußgeld. "Ich habe nicht gedacht, dass man vorher ein ganzes Handbuch lesen muss", ärgerte sich Tobias (28) aus Mitte.

Gemeinsam mit seinen vier Freunden wollte er im Tierpark die Grillsaison einläuten, aber daraus wurde nichts. Die Mitarbeiter des Ordnungsamts, Günter Bogwitz (55) und Corinna Rosenthal (34), hatten Äste zwischen der Holzkohle entdeckt - das ist laut Grillordnung im Großen Tierpark verboten. Seit Jahren schon tobt hier ein Streit um das Grillen, das nur auf bestimmten Flächen erlaubt ist. Doch daran hält sich nicht jeder. "Das ist genau das Problem. Und diese schwarzen Schafe bringen dann auch die Unbescholtenen in Verruf", sagte Stadtrat Carsten Spallek (CDU), der die Mitarbeiter des Ordnungsamts auf der Patrouille durch den Park begleitete.

Acht Tonnen Müll hinterlassen diese wilden Griller durchschnittlich achtlos an einem Sommerwochenende. Das Problem: Die Täter müssen bei Verstößen gegen die Grillordnung auf frischer Tat ertappt werden - was bei 38 einsatzfähigen Dienstkräften schwierig ist. 34 Ordnungsverstöße konnten im letzten Jahr geahndet werden. Die Müllentsorgung koste pro Wochenende 8000 Euro und betrage im Jahr rund 300 000 Euro, sagte Carsten Spallek. "Dieses Geld könnten wir besser in Jugendclubs investieren. Ich glaube, dass die Rücknahme der Ausnahmeregelung dazu führen würde, dass sich die Lage im Tiergarten deutlich entspannt."

Kurz darauf entdeckten die Ordnungsamtmitarbeiter die nächste Widrigkeit: Javad Ashdian aus Charlottenburg musste seine Auberginen vom Grill nehmen und das Feuer löschen. Zwei Ziegelsteine mit einem Rost, darunter Kohle - die Grillordnung besagt, dass der Grill mindestens 30 Zentimeter von der Grasnabe entfernt sein muss. Der 55-Jährige schützte Unwissenheit vor, doch das Amt verweist auf die Informationstafeln an den Parkeingängen. Aller Protest half nichts, demnächst wird wohl ein Bußgeldbescheid von mindestens 20 Euro im Briefkasten liegen. "Jetzt haben Sie mir den Abend verdorben", sagte Javad Ashdian. Die Ordnungsamtsmitarbeiter nahmen es gelassen. Zeit für Erwiderungen hatten sie nicht - 25 Meter sündigte schon der nächste Griller.

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