Ausstellung

Berlin in der Stunde null

Zerstörungen apokalyptischen Ausmaßes, Anmutungen fast wie aus einer anderen Welt - das zeigen Fotos, die in Kürze in Berlin gezeigt werden. Auf einem Bild ist die Siegesallee im Großen Tiergarten zu sehen. Wäre darauf nicht auch die Siegessäule abgebildet, die Allee wäre kaum zu erkennen.

Von den einst 32 Denkmälern märkischer Grafen, Kurfürsten und Könige von Brandenburg und Preußen, die Kaiser Wilhelm II. dort aufstellen ließ, hatten nur wenige den Zweiten Weltkrieg überstanden. Nahezu pulverisiert von Bomben, Artillerie und den letzten Kämpfen im Regierungsviertel präsentierte sich die Allee, die im Berliner Volksmund "Puppenallee" genannt wurde. Hätten nicht auch einige der für die Region typischen Bäume den Krieg überstanden, es könnte eine Szene fast wie aus Pompeji sein. Nur dass an diesen Zerstörungen kein Vulkan schuld war, sondern Bomben.

Der Französische Dom bloß noch ein Relikt seiner ehemaligen Schönheit. Noch ärger hatte es den Reichstag getroffen. Aus der Luft präsentierte sich das Gebäude wie eine in Auflösung begriffene Sandburg. Wo heute eine große Wiese mit Hecken den Platz der Republik bildet, ist auf den Luftbildaufnahmen nur eine wilde Wüstenei zu erkennen. Das Karree des Pariser Platzes am Brandenburger Tor hatte den Krieg dagegen zumindest von der äußeren Form her überstanden. Viele der Häuserwände standen noch, das Innere jedoch war meist zerstört.

Die Silber-Gelatine-Fotografien sind das Ergebnis einer Koproduktion. 1945 machten sich der deutsche Fotograf Hein Gorny (1904-1967) und der US-Amerikaner Adolph C. Byers (1913-1974) zu einer Fotoexpedition durch das zerbombte Berlin auf. Dabei entstanden einzigartige Dokumente der Kriegszerstörungen. "Mit einer durch die Neue Sachlichkeit geprägten Bildsprache sowie dramatischen Helldunkelkontrasten werden die Ruinen ehemals bedeutender Bauwerke auf eindrucksvolle Weise nachgezeichnet", heißt es in der Ausstellungsbeschreibung treffend.

Die Fotos stammen aus der Sammlung des Softwareunternehmers Marc Barbey, der nach zahlreichen Auslandsaufenthalten 2003 mit seiner Familie nach Berlin zog. Sie zeigt ein Spektrum von den Anfängen der Fotografie bis zu den 70er-Jahren und umfasst auch Bilder des Magnum-Fotografen Robert Capa sowie von Berufskollegen. Wie Marc Barbey vorab in der "Bar Tausend" in Mitte verriet, hat er auch eine ganz persönliche Beziehung zur Fotografie. Sein Onkel Bruno Barbey war auch Magnum-Fotograf, das habe ihn bei seiner Sammelleidenschaft inspiriert.

Die Ausstellung mit dem Titel "Hommage à Berlin" ist vom 6. Mai an in der Collection Regard an der Steinstraße 12 in Mitte zu sehen, freitags von 14 bis 18 Uhr, andere Termine auf Anfrage. Infos im Netz unter: www.collectionregard.com . Dort kann auch der Katalog zur Ausstellung (49,90 Euro) bestellt werden.

Meistgelesene