Gesundheitspolitik

Charité-Chef sucht Machtprobe mit Senat

Charité-Chef Professor Karl Max Einhäupl hat den neuen Klinik-Plänen des Senats eine Absage erteilt. Der rot-rote Senat erwägt, dass das Charité-Klinikum Benjamin Franklin in Steglitz vom landeseigenen Vivantes-Konzern betrieben wird und die Vivantes GmbH dafür das Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) in Schöneberg aufgibt.

"Ich sehe keinen Grund, warum man diesen Weg einer Betreiberschaft durch Vivantes gehen soll", betonte Einhäupl am Dienstagabend bei einer Sitzung des Gesundheitsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf.

Einhäupl sagte, er habe "große Hochachtung" vor dem Vivantes-Konzern. Aber Vivantes habe einen anderen Auftrag als die Charité: Die Uni-Klinik sei in erster Linie für die Ausbildung der Ärzte zuständig. Zudem sei das Klinikum in Steglitz sanierungsbedürftig und das Land müsse in den Steglitzer Klinik-Standort investieren, egal ob er von der Charité oder von Vivantes betrieben werde.

Damit verfolgt der Charité-Chef eine andere Linie als Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos). Nußbaum favorisiert alternative Klinik-Modelle, die dem Land Geld sparen. Nach Berechnungen von Vivantes und der Charité brauchen beide landeseigenen Gesundheitskonzerne Investitionen in Höhe von etwa einer Milliarde Euro.

Nun sollen Synergieeffekte geprüft werden. Derzeit berät eine Kommission unter Federführung von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), der auch Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke), Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) sowie Vertreter von Vivantes und der Charité angehören. Im Fokus der Betrachtungen steht das Benjamin Franklin. Eine Variante sieht ein Betreibermodell vor: Im Uni-Klinikum Benjamin Franklin würde Vivantes die Krankenversorgung übernehmen. Die Charité würde weiter für Forschung und Lehre in dem Klinikum verantwortlich sein. Ein anderes Modell sieht vor, das Steglitzer Uni-Klinikum an Vivantes zu übergeben. Die Charité würde Forschung und Lehre auf die anderen beiden Charité-Standorte in Mitte und Wedding (Virchow-Klinikum) verteilen. Der Vivantes-Konzern, zu dem neun Kliniken gehören, würde dafür das Auguste-Viktoria-Klinikum in Schöneberg aufgeben. Die Charité verlöre etwa 1000 Betten, Vivantes bekäme 500 Betten dazu.

Der Charité-Chef kann sich offenbar mit keinem der Klinik-Modelle anfreunden. Er betonte indes die Notwendigkeit einer großen Berliner Universitätsklinik mit vier Standorten: "Eine große Charité ist besser als eine kleine Charité", sagte der Professor.

Zudem betonte Einhäupl: "Das Klinikum in Steglitz ist unverzichtbar für die Charité". Damit sprach sich der Charité-Manager erneut für den Erhalt des Steglitzer Campus Benjamin Franklin als Uni-Klinik aus. Durch ihre Größe gelinge es der Charité, Drittmittel in Höhe von 130 Millionen Euro jährlich einzuwerben.

Einer "Vivantisierung der Uni-Medizin", erteilte auch Charité-Aufsichtsratsmitglied Oliver Peters gegenüber dieser Zeitung eine Absage. Es sei "undenkbar", dass der Campus Benjamin Franklin von Vivantes geführt werde, so der Vertreter der Angestellten im Kontrollgremium der Uni-Klinik. Das sei eine "Abwicklung auf Raten" des Steglitzer Uni-Klinik-Standortes und führe zur Schwächung der Berliner Universitätsmedizin, meint Peters.

"Eine große Charité ist besser als eine kleine Charité"

Karl Max Einhäupl, Charité-Chef