Stadtplanung

Elefanten auf dem Hardenbergplatz

Der Kirchentag, Feiern bei Europameisterschaften oder andere Open-Air-Treffen: Der Hardenbergplatz am Bahnhof Zoo soll nach seiner Umgestaltung auch für Großveranstaltungen Platz bieten. Deshalb wird er nicht als städtischer Schmuckplatz mit Rabatten geplant, sondern als funktionaler, großzügiger Ort.

"Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Berlin haben wir gemerkt, dass in der City-West solche Möglichkeiten fehlen, der Breitscheidplatz ist zu klein, deshalb fand das meiste in Mitte statt", erläutert Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) die Überlegungen zur Neugestaltung. Für Volksfeste sei der Platz aber schon wegen der Zoonähe nicht geeignet.

Bei der Umgestaltung des Platzes, der heute als Parkplatz sowie als Bus-Abfahrtsterminal der BVG dient, sollen als die Autos in einer Tiefgarage verschwinden und die Bushaltestellen verlagert werden. Das schafft Freiraum. Europas artenreichster Zoo soll nämlich auf dem Hardenbergplatz künftig eine größere Rolle spielen. Gröhler kann sich sogar Elefanten dort vorstellen. "Warum sollte man das Gehege nicht erweitern? Der Zoo ist ein absoluter Pluspunkt in der City-West." Ihn abzuschirmen, sei ein kompletter Fehler gewesen. Touristen suchten heute vielfach den Eingang, sähen als erstes die Zoo-Verwaltung, wo ein Schild signalisiere "Hier kein Eingang" und hätten es nicht leicht, das Löwentor im hinteren Platzbereich zu finden. Das soll sich ändern. Auch eine gastronomische Einrichtung, die für den nahen Zoo wirbt, ist denkbar, um "den Zoo ein stückweit in die Stadt zu holen".

Wie jetzt schon am Bahnhof Südkreuz wird es dann auch vor dem Bahnhof Zoo keinen Individualverkehr mehr geben. Um Raum für den künftigen Platz zu schaffen, sollen die BVG-Busse in der Jebensstraße ankommen und direkt vor dem Bahnhofsgebäude am Hardenbergplatz abfahren. Momentan kommen die Busse am Hardenbergplatz vor dem Hochhaus gegenüber dem Bahnhof an. Nach Einschätzung von Rainer Latour, Leiter des Stadtplanungsamtes in Charlottenburg-Wilmersdorf, hat die Neuregelung Vorteile für die BVG, die dadurch kürzere Anfahrtswege von ihrem Busdepot an der Hertzallee hat. Und die Fahrgäste müssten nicht mehr den Platz überqueren, sondern kämen trockenen Fußes zur S- und U-Bahn. Auch Taxis und Reisebusse sollen künftig nur noch in der Jebensstraße halten. Und die Bahn könnte für die Umsteiger den Eingang unter der Brücke an der Hardenbergstraße öffnen, den es dort einmal gab, schlägt das Bauamt vor.

300 Plätze in der Tiefgarage

Die neue Konzeption will der Bezirk in Kürze mit den Anliegern, der BVG, der Taxi-Innung, der Deutschen Bahn, der Verkehrslenkung und der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung besprechen. "Wir hoffen, dass unsere kommunalpolitische Entscheidung Zustimmung findet", sagt Gröhler. Anschließend soll mit der Senatsfinanzverwaltung das Vergabeverfahren für die Tiefgarage besprochen werden. Nach Wunsch der Bezirksverordneten wird Gröhler die Anzahl der Parkplätze auf 300 begrenzen. Weil Investoren bereits signalisiert hätten, dass mehr Plätze nötig seien, will er aber auch Angebote mit mehr Plätzen zulassen.

Das Ziel ist jetzt, einen Investor zu finden, der eine Tiefgarage baut und eine Summe zur Verfügung stellt für die Umgestaltung des Platzes. Gröhler geht dabei nur von einer Teilfinanzierung aus und rechnet mit mehr als fünf Millionen Euro Kosten für die öffentliche Hand. Das Geld soll aus dem Programm "Aktive Zentren" fließen. Aus dem Erlös des Betriebs der Tiefgarage möchte der Bezirk auch noch einen Anteil erhalten, um die jährlichen Parkgebühren zu kompensieren, die er bislang auf dem Hardenbergplatz erwirtschaftet: 2003 (als der Zoo noch Fernbahnhof war) waren es 468 000 Euro, 2007 noch 351 000 Euro und 2010 nur noch rund 261 000 Euro. Das Verfahren soll noch vor der Sommerpause auf den Weg gebracht werden. Die Bauzeit wird mit bis zu zwei Jahren veranschlagt.