Initiative Hauptstadt Berlin

Kanzlerin überprüft Integrationsarbeit der Senatoren

Angela Merkel will die Anstrengungen von Bildungssenator Jürgen Zöllner und Innensenator Ehrhart Körting (beide SPD) in Sachen Integration persönlich überprüfen.

Bei der Verleihung des "Hauptstadtpreises für Integration und Toleranz" am Mittwochabend hat die Bundeskanzlerin (CDU) angekündigt, sich selbst über die Fortschritte in den Ländern bei den nächsten Innen- und Kultusministerkonferenzen informieren zu wollen. "Das ist ein bisschen ungewöhnlich, wenn die Kanzlerin zu den Länderministern geht", sagte Merkel. Aber nach der Integrationsdebatte des vergangenen Jahres wolle sie nun "den Stier bei den Hörnern packen".

Mehr als 60 Projekte und Initiativen wollten laut Veranstalter "Initiative Hauptstadt Berlin" in diesem Jahr den Integrationspreis gewinnen. Drei Gewinner hat die Jury für den mit insgesamt 15 000 Euro dotierten Preis ausgewählt. Der Preis wurde im Jahr 2007 von dem Verein erstmals mit dem Ziel ausgelobt, das bürgerschaftliche Engagement für Integration und Toleranz zu fördern.

In diesem Jahr wird diese Maßgabe laut Jury am besten von einem Neuköllner Filmprojekt erfüllt. "Sprich mit!" ist ein Unterrichtsfilm, der in Schulen und Kitas, bei Elternabenden und in Migrantenvereinen zeigen soll, wie wichtig das Lernen der deutschen Sprache ist. Der kurze Spielfilm handelt von dem neun Jahre alten Zuwanderer Elias, der allein auf der Suche nach seinem Vater durch Berlin irrt und dabei unter anderem auf einen Polizisten, einen Clown und eine Kellnerin trifft, die ihm weiterhelfen und seine ersten deutschen Worte beibringen. Entwickelt wurde das Konzept von jungen Filmemachern und Neuköllner Pädagogen.

Der zweite Platz ging an das Workshop-Projekt "Kollektiv migrantas", mit dem Frauen aus 30 verschiedenen Ländern ihre Erfahrungen in einer fremden Kultur als Piktogramme auf Plakaten dargestellt öffentlich sichtbar machen. Mit dem dritten Preis wird "Heroes - gegen Unterdrückung im Namen der Ehre" ausgezeichnet. Das Projekt im Rollbergviertel richtet sich an junge Männer aus "Ehrenkulturen" und wirbt für Gleichstellung von Mann und Frau. "Integration lebt und gelingt durchs Mitmachen", sagte Merkel in ihrer Rede. "Und es braucht die Gemeinschaft einer Familie, von Freunden, Arbeitskollegen und Nachbarn, damit Integration gelingt."