Podiumsdiskussion

Charité-Chef verlangt vom Senat mehr Respekt

Charité-Chef Max Einhäupl hat den Umgang des Senats mit dem Universitätsklinikum kritisiert. "Die Charité ist gegenüber allen anderen Bundesländern chronisch unterversorgt", sagte Einhäupl auf einer Podiumsdiskussion, zu der die Industrie- und Handelskammer (IHK) anlässlich des 4. Charité Entrepreneurship Summits eingeladen hatte.

Während andere Universitätskliniken eine Investitionsquote von acht bis zehn Prozent hätten, liege sie bei der Charité lediglich bei knapp vier Prozent. Einhäupl wünschte sich außerdem vom Senat mehr Handlungsspielraum für nötige Entscheidungen. "Wir werden geführt wie das Grünflächenamt", sagte Einhäupl. So habe es ein Jahr gedauert, bis das Land die Genehmigung für den Namen der Charitéstiftung erhalten habe. "Wir brauchen mehr Respekt", sagte der Klinikchef weiter. Keine andere Stadt gehe so sorglos mit seiner Universitätsklinik um wie Berlin. "Allein den Begriff des Landeszuschusses empfinde ich als infam", sagte Einhäupl. "Das ist der Preis dafür, dass wir jedes Jahr 600 Ärzte ausbilden."

Unterstützung erhielt Einhäupl von IHK-Chef Eric Schweitzer und der Beratungsgesellschaft McKinsey. Den geplanten Ausbau der Zusammenarbeit mit dem Klinikkonzern Vivantes könne man nicht den beiden Klinikkonzernen überlassen, kritisierte Schweitzer. "Das muss der Eigentümer klären." Stattdessen führe das Land die beiden Konzerne völlig unabhängig voneinander mit unterschiedlichen Zuständigkeiten. Für die Charité ist Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) verantwortlich, für Vivantes Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke).

"Unsinnige Konkurrenz"

Für Matthias Wernicke von McKinsey hat Berlin alle Möglichkeiten, den Gesundheitssektor zu einem Wachstumsmotor für die Berliner Wirtschaft auszubauen. "Im Moment ist Berlin aber nicht besser als das Ruhrgebiet", sagte Wernicke.

Auch die grüne Spitzenkandidatin Renate Künast wirft dem Senat vor, unzureichend für das Berliner Aushängeschild zu sorgen. "Die Charité ist ein weltbekannter Leuchtturm in der Gesundheitsstadt Berlin", sagte Künast am Mittwoch. "Die Charité hat aber große Probleme, vieles ist marode. Das darf der Senat nicht einfach ignorieren." Außerdem müsse das Verhältnis zwischen Charité und Vivantes geklärt werden. "Die unsinnige Konkurrenz um Patienten und teure Doppelstrukturen müssen abgebaut werden", forderte Künast. Beide Institutionen müssten von einer Hand gesteuert werden.

Die Charité gehört mit 13 000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 900 Millionen Euro zu den größten Unternehmen Berlins. Der Investitionsstau beträgt laut Konzernleitung rund 1,7 Milliarden Euro. Das Land hat 330 Millionen Euro für die Sanierung des maroden Bettenhauses in Mitte zugesagt. Um in diesem Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis zu erzielen, muss die Charité zwischen 60 und 70 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr einsparen.