Humboldthafen

Mit Zwang zur schönen Stadtmitte

Heftige Kritik musste sich Senatsbaudirektorin Regula Lüscher gefallen lassen. Die uninspirierten Zweckbauten, die vis-à-vis vom Kanzleramt rund um den Hauptbahnhof entstanden sind, verliehen dem zentralen Entree in die Stadt allenfalls den Charme eines drittklassigen Provinzbahnhofs, bemängelten Spötter.

Jetzt soll alles besser werden. Als erste Konsequenz aus der Kritik lehnte die Senatsbaudirektorin die Baupläne des niederländischen Investors OVG Real Estate für den Bau eines Bürogebäudes am Humboldthafen ab und verpflichtete ihn zu einem Architekturwettbewerb. "Mit dem Ergebnis sind wir sehr zufrieden", lobte Lüscher am Mittwoch bei der Präsentation den Wettbewerbssieger. Nach dem Entwurf von KSP-Jürgen Engel Architekten soll nun direkt am Hafenbecken ein sieben- bis achtgeschossiges Gebäude entstehen, in dem bis zu 1000 Arbeitsplätze sowie Restaurants und Läden untergebracht werden. Anders als ursprünglich geplant, entsteht nun am Ufer kein massiver Gebäudeblock, sondern ein um zwei Innenhöfe angeordnetes Ensemble, das sich zum Wasser öffnet. Eine 17 Meter breite und acht Meter hohe öffentliche Passage sorgt zudem dafür, dass Besucher ungehindert ans Wasser gelangen können.

Die OVG hatte das Grundstück am Alexanderufer bereits 2009 vom Liegenschaftsfonds gekauft, plante dort für das Bundesgesundheitsministerium von Philipp Rösler (FDP) ein Bürohaus mit Aktenarchiven im Erdgeschoss. Am Dienstag gaben sich die Niederländer geläutert: "Dieser Wettbewerbsentwurf gefällt mir auch besser als das, was wir ursprünglich geplant hatten", räumte OVG-Chef Coen van Oostrom ein. Zudem habe sich die Umplanung gelohnt: "An dieser Stelle wollen wir eine prominente Büroadresse schaffen, dazu liefert KSP nun beste Voraussetzungen." Die OVG wolle 130 Millionen Euro investieren, der Baubeginn solle im kommenden Jahr erfolgen, die Fertigstellung sei im Jahr 2014 geplant. Allerdings ist nunmehr ungewiss, ob Minister Rösler mit seinen Berliner Mitarbeitern aus den angemieteten Räumen an der Friedrichstraße einzieht: "Wir verhandeln mit dem Bund, aber auch mit weiteren Mietinteressenten", so Oostrom. Mit den Bauvorbereitungen werde man beginnen, sobald 50 Prozent des Gebäudes vermietet seien: "Ich bin mir sicher, dass wir dieses Ziel bald erreichen werden." Die Niederländer sind nun die ersten, die an dem historischen Hafenbecken bauen. Der Versuch des Liegenschaftsfonds, dort weitere Baufelder zu verkaufen, war im ersten Anlauf gescheitert, weil der Kauf an die Bedingung gekoppelt war, auf einem Teil der Fläche eine Kunsthalle für Berlin zu errichten. Im Herbst sollen nun erneut zwei Baufelder angeboten werden - diesmal ohne die Pflicht zur Kunsthalle.

Auch rund um den Fernsehturm soll es nun endlich schöner werden. Vor drei Jahren etwa wurde Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) ins Rote Rathaus zitiert. Dort erwartete ihn Klaus Wowereit (SPD). "Das sieht ja alles furchtbar hier aus", so der Regierende Bürgermeister damals. Tatsächlich sind die Pflastersteine beschädigt oder ganz verschwunden, die Umrandungen der Hochbeete bröckeln, das Grün wuchert ungeordnet überall. Jetzt, nach einer längeren Planungsphase, wird die Fläche am Fuße des Turms erneuert und umgestaltet. Etwa fünf Millionen Euro fließen in das Projekt, das vom Architektenbüro Levin Monsigny aus Mitte geplant wurde. Die Arbeiten beginnen nach Ostern und dauern bis 2013.

Kunststoff gegen Kaugummis

Die wichtigste Neuerung: Der alte Steinboden wird aufgebrochen und durch teflonbeschichtete Platten ersetzt, um der Kaugummi-Plage entgegenzuwirken. "Durch die Beschichtung bleiben die Kaugummis nicht mehr kleben, sondern werden von den Kehrmaschinen der BSR mit aufgesaugt", sagt Landschaftsarchitektin Martina Levin. Man habe gelernt aus den Erfahrungen mit den bisher eingesetzten Granitplatten, die das Kaugummi aufsaugen und dunkle Flecken bilden. Ersetzt werden auch die nur drei Meter hohen Laternen durch etwa zwölf Meter hohe Leuchten. Auf dem gesamten Platz werden bis zu 50 unterirdische Müllbehälter verteilt. Aus dem Boden ragt nur ein Rohr, in das der Abfall geworfen wird. Einmal in der Woche wird der Müll über ein zweites Rohr abgesaugt. Noch vorhandene Parkplätze unter dem Fernsehturm fallen weg. Zum Parken steht dann nur noch die Tiefgarage zur Verfügung. Auch die Büsche werden durch hochstämmige Bäume wie Spitzahorn ersetzt. An der Ecke Gontardstraße wird es für Kinder eine Aufenthaltszone geben, die mit einem Gummibelag ausgelegt und modernen Skulpturen ausgestaltet werden soll.

Froh über die Umgestaltung ist Christina Aue, Geschäftsführerin des Fernsehturms. Die Sträucher würden sowieso nur als öffentliche Toilette genutzt. Daher begrüße sie die offene Gestaltung des Umfeldes, die auch den Touristen eine höhere Qualität biete. Die Geschäftsführerin kündigte bereits an, den Fernsehturm auch im Innenbereich modernisieren zu wollen. Die Arbeiten dafür sollen im November starten.