Tourismus

Für die neue Berliner Seilbahn gibt es Vorbilder

| Lesedauer: 2 Minuten
Katrin Schoelkopf

Die Idee einer Seilbahn, die die City West mit Mitte verbinden könnte, hört sich kühn an, ungewöhnlich aber ist sie nicht. Wie berichtet wollen die Projektentwicklungsgesellschaft Prohacon und die AG City West ein solches Projekt umsetzen.

Die Seilbahn soll drei Kilometer vom Hardenbergplatz, am Rand des Zoos vorbei, zur Hofjägerallee und am Südrand des Tiergartens bis zum Potsdamer Platz führen und den Fahrgästen aus 30 Metern Höhe einen außergewöhnlichen Blick bieten. Geschätzte Kosten 15 bis 18 Millionen Mark. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) winkte allerdings schon ab. "Städtebaulich völlig inakzeptabel" sei das Projekt.

Seilbahnen kennt man gemeinhin nur im Zusammenhang mit dem Skisport. Doch es gibt sie bereits in Städten, über Flüsse oder in Grünanlagen und Zoos. Zürich zum Beispiel hält eine Seilbahn offensichtlich nicht für städtebaulich inakzeptabel. So ist dort eine Zooseilbahn in Planung, die den Bahnhof Stettbach mit dem Zürcher Zoo verbinden soll. Die zwei Kilometer lange Verbindung ist als Touristenattraktion und zudem als umweltfreundliches Verkehrsmittel gedacht. Die Fahrtdauer soll sieben Minuten, die Förderleistung 1500 Personen pro Stunde betragen. Kosten: zehn bis zwölf Millionen Franken. Die Fertigstellung ist für 2015 vorgesehen.

In Deutschland machten Seilbahnen vor allem bei Internationalen Gartenbauausstellungen (Rostock 2003), Bundesgartenschauausstellungen (München 2005) oder der Internationalen Bauausstellung Interbau 1957/58 in Berlin Furore. In der Regel wurden sie nach Ablauf der Ausstellung aus Kostengründen wieder abgebaut.

Anders die Rheinseilbahn in Köln. Sie wurde 1957 zur Eröffnung der Bundesgartenschau in Betrieb genommen und verband den Rheinpark mit dem linksrheinischen Ufer. Zwischen 1957 bis 2006 passierten 14 Millionen Menschen unfallfrei die 935 Meter lange Strecke über den Rhein.

Etwas weiter rheinaufwärts soll anlässlich der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz die zweite Rheinseilbahn in Betrieb genommen werden. 3800 Menschen pro Stunde werden mit ihr in einer Richtung über den Rhein befördert. Bereits 2010 soll sie in Betrieb genommen, 2013 aber wieder wegen des Unesco-Welterbe Status "Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal" wieder zurückgebaut werden.

Zur Expo 1998 in Lissabon führte eine Seilbahn über eine Länge von 1230 Meter entlang der Flussmündung des Tejo über das Ausstellungsgelände.

Zehn Jahre später fand die Expo im spanischen Saragossa statt. Eine 2,5 Kilometer lange Seilbahn verband dort die alte Stadt mit dem neuen Expo-Stadtteil.

Langjährige Erfahrungen mit Seilbahnen hat die Hauptstadt Kataloniens, Barcelona. Bereits seit 1931 verkehrt dort die Hafenseilbahn "Transbordaor Aeri". Mit ihr schwebt man 1450 Meter lang in luftiger Höhe von fast 100 Metern vom Viertel am Olympischen Hafen auf den Berg Montjuïc. In einer Stunde kann die Bahn 220 Personen in einer Richtung befördern. Die Touristen beeindruckt vor allem die Aussicht über die imponierende Stadt.