Tarifkonflikt

Ärzte im Klinikum Buch streiken für bessere Bezahlung

Am Helios-Klinikum in Berlin-Buch haben am Montagvormittag etwa 160 Ärzte die Arbeit niedergelegt. In der Zeit von 8 Uhr bis etwa gegen 10.30 Uhr habe es lediglich eine Versorgung für akute Fälle gegeben, sagte Uwe Scholz vom Berliner Landesverband des Marburger Bundes, der zu dem Warnstreik aufgerufen hatte.

Damit endete die Aktion eine Stunde früher als zunächst angekündigt. Nicht von den Arbeitskampfmaßnahmen betroffen gewesen waren laut Scholz die Kinder-Chirurgie sowie die Behandlung von Krebspatienten. Auch das gleichfalls zum Helios-Konzern gehörende Klinikum Emil von Behring in Zehlendorf sei vom Warnstreik ausgenommen worden.

Laut der Berliner Helios-Sprecherin Natalie Erdmann mussten während des Warnstreiks im Klinikum Buch einige geplante Operationen verschoben werden. Es habe aber eine Notdienstvereinbarung gegeben, sodass die medizinische Versorgung der Patienten sichergestellt war.

Der Ausstand in Buch war Teil eines bundesweites Warnstreiks an privaten Helios-Kliniken, mit dem die Mediziner ihren Forderungen vor Beginn der fünften Runde der Tarifverhandlungen Nachdruck verleihen wollten. Die Ärzte in den insgesamt 63 Helios-Krankenhäusern und 29 Medizinischen Versorgungszentren warten laut der Ärztegewerkschaft seit mehr als einem Jahr auf einen neuen Tarifvertrag. "Die Arbeitgeberseite hat bislang keine wirkliche Bereitschaft zu einer Einigung auf dem Verhandlungsweg erkennen lassen", begründete der Marburger Bund seinen Aufruf zu den befristeten Arbeitsniederlegungen. Der Verband fordert für alle Ärzte an Helios-Kliniken eine Erhöhung der Gehälter um linear fünf Prozent. Außerdem sollten Nachtdienst, Sonnabendarbeit und Überstunden besser vergütet werden. Helios habe bisher eine Erhöhung der Entgelte für das ärztliche Personal um 1,7 Prozent angeboten.

Hintergrund der Tarifauseinandersetzung ist der zunehmende Kostendruck, den vor allem die gesetzlichen Krankenkassen auf alle Bereiche der medizinischen Versorgung ausüben. So hatten im März rund 700 Helios-Ärzte in einem offenen Brief an den Vorstandsvorsitzenden Francesco De Meo beklagt, dass in den Kliniken immer häufiger wirtschaftliche Kriterien wichtiger genommen werden als die medizinischen Bedürfnisse der Patienten. Das Verhältnis zu den Patienten leide unter dem Kostendruck der Konzernführung, hieß es in dem Schreiben. Die Berliner Ärztekammer zeigte sich damals überrascht von den Vorwürfen. Helios gelte in der Patientenversorgung bisher als vorbildlich, sagte ein Ärztekammer-Sprecher damals. Der Kostendruck, über den Helios-Ärzte klagen, ziehe sich durch alle Krankenhäuser - egal, ob in privater, kirchlicher oder öffentlicher Hand.

Erst Mitte März hatte das Pflege- und Servicepersonal der Charité mit einem Warnstreik gegen die aus ihrer Sicht immer schlechteren Arbeitsbedingungen protestiert. Die Charité schreibt seit Jahren hohe Verluste. Und das, obwohl gerade Beschäftigte im Pflegebereich der Charité oft weniger verdienen als in anderen Krankenhäusern. In den laufenden Tarifverhandlungen fordern die Gewerkschaften daher mindestens 300 Euro mehr Monatsgeld für die rund 10 000 Beschäftigten im Pflege- und Servicebereich.