Öffentlicher Dienst

Nur 50 Auszubildende im Landesdienst werden übernommen

Klaus Wowereit wird nicht müde, Berlins Unternehmen zu ermahnen, sich stärker für die Ausbildung junger Leute zu engagieren. Er werde "Klinken putzen" und Lehrstellen einsammeln, kündigte der Regierende Bürgermeister kürzlich vor Wirtschaftsvertretern an.

Dabei hätte der Senatschef auch in seiner Landesbehörde genug zu tun. Denn Berlins Behörden haben 2010 knapp zehn Millionen Euro Ausbildungsmittel verfallen lassen.

Bei der Gewerkschaft Ver.di versucht die für die Bezirksämter zuständige Sekretärin Marion Kruck eine Erklärung. Sehr viele junge Leute würden sich mehrfach um Ausbildungsplätze bewerben. Wenn die Guten dann woanders genommen würden, entschieden sie sich meistens gegen eine Ausbildung im öffentlichen Dienst, sodass schon vergebene Plätze doch frei blieben und nicht mehr nachbesetzt werden könnten. Zudem mangele es an geeigneten Bewerbern, so die Gewerkschaftssekretärin. Wobei sich die Ver.di-Vertreter auch fragen, ob die Behörden ihre Anforderungen nicht etwas reduzieren und die Bewerber nachschulen müssten, wenn sie im Konkurrenzkampf um die qualifizierten jungen Leute nicht bestehen könnten.

Hauptproblem sei aber, dass das Land Berlin den jungen Leuten keine Aussicht biete, nach der Ausbildung auch übernommen zu werden, sagt Ver.di-Vertreterin Kruck. Zurzeit werden laut Ver.di 1700 junge Leute im Landesdienst jährlich ausgebildet. Lediglich 50 von ihnen dürfen dauerhaft übernommen werden. "Jedes Bezirksamt darf pro Jahr lediglich maximal drei ausgelernte Azubis übernehmen, obwohl der Bedarf viel höher ist", kritisiert Marion Kruck.

Ines Rohde, Vorsitzende der Haupt-Jugend- und Auszubildendenvertretung, die in vielen Bewerbungsgesprächen dabeisitzt, bestätigt dies. Die Bewerber fragten oft danach, sagt sie. Wenn sie dann hörten, dass es nur eine ungesicherte Perspektive gebe, schrecke das viele ab. Hinzu käme die im Verhältnis zu anderen Bundesländern niedrigere Bezahlung. Dabei wird der Bedarf nach neuem Personal in den nächsten Jahren enorm sein, warnt die Gewerkschaft. Aus Sicht der Opposition versagt der Senat bei der Aufgabe, eine zukunftsträchtige Personalentwicklung zu machen. Der Grünen-Abgeordnete Oliver Schruoffeneger nennt das neue Personalkonzept des Senats ein "Dokument des Scheiterns". Bis 2017 würden mehr als 25 Prozent der Beschäftigten des Landes ausscheiden. Wichtige Bereiche, wie zum Beispiel der Jugend- und der Sozialbereich, verlören mehr als 30 oder 40 Prozent der Mitarbeiter. "Doch statt eine seriöse Personalbedarfsplanung vorzulegen, verschiebt der Senat alle Entscheidungen", sagt Schruoffeneger.