Schienennetzes

"Marode Gleise, veraltete Brücken"

Bahnfahrer in Berlin und Brandenburg verlieren noch immer viel Zeit, weil die Züge wegen maroder Gleise und altersschwacher Brücken langsamer fahren müssen. Zu diesem Ergebnis kommt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) in einer aktuellen Studie zur Qualität der Schienenwege in der Region.

Laut VBB-Geschäftsführer Hans-Werner Franz hat sich der Zustand der Infrastruktur gegenüber dem Vorjahr kaum verbessert. Gut 13 Prozent des etwa 2500 Kilometer langen Streckennetzes in beiden Ländern können wegen sogenannter Langsamfahrstellen nicht mit dem eigentlich möglichen Tempo befahren werden.

Für die Fahrgäste heißt das: Sie verbringen insgesamt jeden Tag rund 4000 Stunden unnötig in der Bahn. Der tägliche Fahrzeitverlust ist gegenüber 2008 sogar um 300 Stunden gewachsen. Besonders spürbar, so der VBB, sei dies auf der OE 36 von Berlin-Lichtenberg über Beeskow nach Frankfurt/O. Die Züge der Ostdeutschen Eisenbahn (Odeg) sind auf dieser Verbindung mehr als eine halbe Stunde länger unterwegs, als es die Strecke in einem Normalzustand erlauben würde. Erhebliche Geschwindigkeitseinbußen gibt es laut VBB auch auf den wichtigen, von der Deutschen Bahn betriebenen Regionalexpress-Linien RE 1, RE 3 und RE5 sowie den Zubringerlinien zum Flughafen Schönefeld RE 7 und RB 14 mit jeweils einem Zeitverlust von mehr als zehn Minuten.

"Von der Deutschen Bahn wird nicht genügend in die Infrastruktur investiert", kritisiert VBB-Chef Hans-Werner Franz. Ursache dafür sei, dass der Bund als Eigentümer der Schienenwege im internationalen Vergleich zu wenig Geld für die Netzinfrastruktur ausgebe. Franz stützt sich dabei auf Zahlen der "Allianz pro Schiene". Nach deren Berechnungen werden in der Schweiz 284 Euro und in Österreich 205 Euro pro Jahr und Einwohner in das Eisenbahnnetz investiert, in Deutschland dagegen nur 47 Euro.

Zudem, so kritisiert der VBB-Chef, werde das Geld, das der Bund, aber auch die Bundesländer für die Schieneninfrastruktur an die Bahn überweisen, nicht in vollem Umfang in den Unterhalt und für die Modernisierung des Gleisnetzes ausgegeben. Dafür spreche, dass die Netzsparte immer höhere Gewinne an den Mutterkonzern abführe, die von der Deutschen Bahn dann in andere Projekte investiert werden. Laut Franz sind die Gewinne von DB Netz von fünf Millionen Euro (2004) auf 670 Millionen Euro im Vorjahr gestiegen.

Die Bahn widersprach der Kritik. Die Qualität des Schienennetzes im VBB-Gebiet habe sich 2009 verbessert. Im aktuellen Fahrplan wirkten sich 16 Prozent weniger Mängelstellen aus als im Vorjahr, so Ingulf Leuschel, Konzernbevollmächtigter für Berlin-Brandenburg. Seit 2002 sei die Zahl der Mängelstellen um mehr als 44 Prozent zurückgegangen.

Von 2007 bis 2009 seien zudem die vorübergehenden Langsamfahrstellen auf ein Minimum - im Jahresdurchschnitt auf unter fünf - reduziert worden. Leuschel verweist darauf, dass die Bahn in diesem Jahr 17,8 Millionen Euro und nächstes Jahr 18,9 Millionen Euro in die Instandhaltung von Gleisen und Weichen investiert. Für die Erneuerung von Schienwegen werde 2010 "wieder mehr als eine Viertelmilliarde Euro" bereitgestellt.

Für den Verkehrsverbund ist das nicht genug. Er listet in seiner Studie zahlreiche Strecken auf, auf denen nicht die von der Bahn selbst vorgegebene Geschwindigkeit gefahren werden könne. Besonders gravierend sind demnach die "Geschwindigkeitseinbrüche" auf der Strecke Berlin-Dresden. Allein auf den 56 Kilometern zwischen dem Berliner Außenring und Elsterwerda würden die Züge aufgrund von Langsamfahrstellen jeweils mehr als 15 Minuten Fahrzeit verlieren.

Laut VBB werden die "Geschwindigkeitseinbrüche" etwa je zur Hälfte durch Mängel in der Instandhaltung und durch veraltete Anlagen verursacht. Nur in zwei Prozent der Fälle seien laufende Bauarbeiten der Grund.

Als Beispiel nannte Franz den seit Jahren anhaltend schlechten Zustand der Brücke Hüttenweg auf der Strecke Charlottenburg-Wannsee. Die Züge dürften die Brücke mit maximal 70 Kilometern pro Stunde statt mit 120 km/h passieren, was einen Zeitverlust von 14 Sekunden zur Folge habe. Deutlich größer seien die Zeiteinbußen an mehreren Langsamfahrstellen auf der Strecke Berlin-Bernau. So müssten etwa an einer Brücke hinter dem Karower Kreuz die Lokführer ihre Züge von 120 auf 30 km/h abbremsen. Umgerechneter Zeitverlust pro Fahrt: Fast eine Minute.

Informationen zu den aktuellen Bauarbeiten der Bahn unter www.morgenpost.de/Berlin