Befristete Verträge

Grundschulen gehen die Erzieher aus

Viele Hortkinder wissen nicht, ob ihre Erzieherin nach den Weihnachtsferien noch an der Schule sein wird. Etwa 200 befristete Verträge für Erzieher an Grundschulen laufen zum Jahresende aus. Wie es danach weitergeht, steht in den Sternen.

Hintergrund sind die auslaufenden Anwendungstarifverträge, nach denen die Erzieher im öffentlichen Dienst zehn Prozent weniger arbeiten. Wenn die Arbeitszeit zum Jahresbeginn wieder verlängert wird, würde weniger Personal benötigt. Deshalb wurden neue Verträgen zum Schuljahresbeginn nur befristet abgeschlossen. "Die durch die auslaufenden Erzieherverträge entstehende Lücke könnte durch die Stundenaufstockung rechnerisch aber höchstens zur Hälfte gestopft werden", sagt Klaus Schroeder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Hinzu kämen etwa 50 offene Stellen, die seit Oktober nicht besetzt werden können, da es zu wenige Bewerber gebe.

Sollten die befristet eingestellten Erzieher nicht schnellstmöglich Sicherheit erhalten, bestehe die Gefahr, dass die Pädagogen scharenweise zu den Kitas abwandern, die ebenfalls händeringend nach Fachkräften suchen, warnt die Gewerkschaft.

Der Mangel spitzt sich weiter zu, da ab April 900 zusätzliche Erzieher in den Kitas benötigt werden. Grund ist die beschlossene bessere Ausstattung in zwei Schritten. Der Senat hatte dem Druck des Volksbegehrens nachgegeben und die Einstellung von 1800 Erziehern beschlossen, um kleinere Kitagruppen einzurichten.

Die Bildungsverwaltung will jedoch abwarten, bis die Ergebnisse einer Umfrage vorliegen, durch die der Bedarf an Erziehern an den Schulen geklärt werden soll. Erst dann könne zuverlässig gesagt werden, wie viel Personal in den Horten gebraucht werde. Auch die Finanzverwaltung sperre sich, vorher Zusagen über eine Verlängerung der befristeten Verträge zu machen. "Für das Abwarten gibt es keinen Grund", sagt Schroeder. Schon jetzt sei klar, dass die Abfrage eher einen höheren Bedarf als einen geringeren ergeben werde. Zumal langzeiterkrankte Erzieher noch immer nicht ersetzt würden. Die Senatsverwaltung müsse jetzt tätig werden, so Schroeder.

An der Heinrich-Zille-Grundschule in Kreuzberg sind es zwei von 20 Erzieherinnen, die nur befristete Verträge bis Ende des Jahres haben. "Wir wissen überhaupt nicht, wie es ab Januar weitergehen wird. Möglicherweise müssen alle Hort-Kinder neu verteilt werden", sagte der stellvertretende Direktor Manfred Neumann. Eine Planung sei unmöglich.

In Lichtenberg fehlen schon jetzt Erzieher an Schulen. "Wenn sich das Problem ab Januar verschärft, müssen die Kinder mit größeren Gruppen rechnen", sagt Uta Schröder, Schulleiterin der Hermann-Gmeiner-Schule und Vorsitzende der Vereinigung Berliner Schulleiter. Auch Ausflüge und Projekte müssten dann gestrichen werden. Angesichts des Bewerbermangels müssten gerade Schulen in weniger attraktiven Bezirken wie Lichtenberg fürchten, dass sie nicht genügend Mitarbeiter erhalten, sagt die Schulleiterin.

Auch Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sieht den drohenden Erziehermangel. In diesem Jahr wurden sieben zusätzliche Klassen an Fachhochschulen für die Erzieherausbildung eröffnet. Doch für den Arbeitsmarkt stehen die Nachwuchskräfte frühestens in drei Jahren zur Verfügung. Um den Erziehernotstand abzumindern, will die Bildungsverwaltung Prüfungen für Quereinsteiger einführen. "Die Anforderungen runterzuschrauben, darf nicht die Antwort auf Fachkräftemangel sein", warnt Klaus Schroeder. Schließlich müssten die Erzieher an den Ganztagsschulen und in den Kitas mehr Bildungsarbeit übernehmen.