Förderprogramm

Am Südkreuz werden noch 20 Millionen Euro investiert

Im Gebiet rund um den Bahnhof Südkreuz herrscht Aufbruchstimmung. Mit Hilfe des Bund-Länder-Förderprogramms "Stadtumbau West" und dem Engagement der privaten Grundstückseigentümer soll die Gegend um Berlins zweitgrößten Fernbahnhof, der zudem ab dem nächsten Jahr eine Express-Verbindung zum neuen Flughafen in Schönefeld erhält, in den nächsten zehn Jahren einen Entwicklungsschub machen.

"Das Gebiet hat Potenzial für einen zugkräftigen Wirtschaftsstandort", sagte Baustadtrat Bernd Krömer (CDU). Mit der Eröffnung des Flughafens BBI 2012 und der neuen Express-Verbindung vom Südkreuz käme man in einer Viertelstunde mitten aus der City zum BBI, aber eben auch umgekehrt zum Südkreuz. Ein Convention Center und Hotels hält Krömer deshalb für eine aussichtsreiche Entwicklung rund um den Bahnhof, den viele Berliner noch gar nicht kennen würden.

Kontakte mit Investoren

Auch im nahen Gewerbegebiet an der neuen Wilhelm-Kabus-Straße, so prognostiziert Krömer, würden sich voraussichtlich noch weitere Betriebe ansiedeln. Das Euref-Gelände an der Torgauer Straße beweise bereits seit drei Jahren durch stete Ansiedlungen, dass es vorwärts gehe. Das Bauamt hat für die ersten drei geplanten Hotels im Fördergebiet Südkreuz - zwei zwischen Sachsendamm und Gotenstraße, ein weiteres am Werdauer Weg - mit einem Bauvorbescheid bereits grünes Licht gegeben. Die Pläne und Projekte im 2005 festgesetzten Fördergebiet sollen in den nächsten Jahren realisiert werden. Wie die Sprecherin der Interessengemeinschaft der Grundstückseigentümer (IGS) sagte, werde auch Wohnungsbau geplant. So sollen die bestehenden Altbauten zwischen Sachsendamm und Gotenstraße durch neue ergänzt werden. Grundstückseigentümer hätten bereits eine Entwicklung angestoßen und seien im vergangenen Jahr zur Immobilienmesse Expo Real nach München gefahren, um erste Kontakte mit Investoren zu knüpfen.

Die Zukunftspläne kann sich jetzt jeder ansehen. Staatssekretärin Hella Dunger-Löper, Baustadtrat Krömer sowie die Sprecherin der Grundstückseigentümer Beate Nitze eröffneten am Donnerstag eine Freilichtausstellung mit Plänen und erläuternden Texten auf dem Hildegard-Knef-Platz vor dem Bahnhof. Dabei handelt es sich um die Ergebnisse eines Werkstattverfahrens. Die jeweiligen Highlights der drei teilnehmenden Architektur- und Städtebaubüros sind darin zu einer Konsensplanung zusammengefasst worden. Die Ausstellung soll dazu beitragen, das Gebiet zwischen den Bahnhöfen Südkreuz und Schöneberg zu vermarkten. Das Logo "südkreuz sxberlin", das auch auf die Chance der Gegend als Tor zum BBI aufmerksam machen will, hat eine Werbeagentur längst kreiert.

Für die Gestaltung im öffentlichen Raum stehen nach Auskunft der Staatssekretärin bis 2015 rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. So entsteht an der General-Pape-Straße beispielsweise gerade eine neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke, die die Kieze Neu-Tempelhof und auf der Schöneberger Seite den Leuthener Platz verbindet. Der Steg ist 100 Meter lang und vier Meter breit und kostet nach Auskunft von Kathrin Fiedler von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 3,4 Millionen Euro. Er führt über vier Fernbahn- und zwei S-Bahn-Gleise. Ende 2011 soll die Brücke fertig sein. Ebenfalls der erste Abschnitt des Grünzugs für Fußgänger, Radler und Skater, der in etwa drei Jahren als sechs Kilometer langer Rundweg, als sogenannte "Schöneberger Schleife", vom Südkreuz über das Gleisdreieck bis zum Potsdamer Platz führen soll.

Historische Orte sichern

Ein weiteres Stadtumbauprojekt gleich in der Nähe des Bahnhofs Südkreuz hat Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU) am Donnerstag eröffnet: den Gedenkort SA-Gefängnis Papestraße im Gebäude am Werner-Voss-Damm 54 a. In den Kellern der einstigen Eisenbahnkaserne wurden von März bis Dezember 1933 rund 2000 Menschen von der Feldpolizei der SA eingesperrt. Viele von ihnen wurden misshandelt. Die Zahl der Ermordeten wird auf 30 geschätzt. "Historische Orte wie diese treten an die Stelle von Zeitzeugen und sind eindrucksvoller als gedruckte Worte", sagte Andreas Nachama, Direktor der Stiftung Topographie des Terrors, die neben vielen anderen mithalf, diesen historischen Ort zu sichern. Besichtigt werden kann der Gedenkort mittwochs und sonntags jeweils von 14 bis 18 Uhr. Jeden 2. und 4. Sonntag sind Führungen (Beginn 14 Uhr). Schulen haben die Gelegenheit zu Seminaren, Workshops und Projekten. Infos: Tel. 902 77 61 63.