Insolvenz

Die Märchentage stehen überraschend vor dem Aus

Es ist ein beliebtes Festival: Viele Berliner waren mit ihrer Familie schon einmal in der Märchensprechstunde, viele Kinder ließen sich von Politikern schon einmal Geschichten vorlesen lassen?

Denn seit 1989 bringen "Märchenland e.V." und "Märchenland gGmbH" mit 800 Veranstaltungen im Jahr die Berliner zum Träumen, am bekanntesten sind die jährlichen Berliner Märchentage im November. Doch jetzt sehen sich die Veranstalter des weltweit größten Märchenfestivals seiner Art mit harten Realitäten konfrontiert. Akut fehlen 90 000 Euro, um Berlins "Märchenland" vor der Insolvenz zu bewahren. Die Einrichtung, die Kindern und Jugendlichen seit Jahren kostenlosen Zugang zur Literatur ermöglicht, kann schon seit Monaten die Miete für ihr Büro am Spreeufer nicht mehr bezahlen.

Die Finanzkrise hat das fünfköpfige Organisationsteam eingeholt. Vor einem Jahr ist Hauptsponsor Vattenfall abgesprungen. Im Haus des für die Kultur zuständigen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) will man ein Gespräch mit den Märchenland-Verantwortlichen in der kommenden Woche abwarten. "Bevor wir mit weiten Armen Geld ausstreuen", so Sprecher Torsten Wöhlert.

Doch Märchenland-Direktorin Silke Fischer - 2010 zur "Kulturmanagerin des Jahres" gekürt - hadert nicht mit unsteten Sponsoren. Und sie schimpft auch nicht auf den Staat. Die Gründerin des Festivals vertraut darauf, dass die Berliner ihre Märchentage retten werden. "Wenn jeder einen Euro geben würde, wäre es schon geschafft", sagt Silke Fischer. Von den fehlenden 90 000 Euro soll ein großer Teil aus Spenden kommen (Commerzbank, Kontonr.: 40 84 87 61 01, BLZ: 120 800 00). Bis Ende April muss die Summe aufgebracht sein, damit der Hauptgeldgeber, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, die nächste Rate überweist. 334 000 Euro soll das Märchenland von der Lottostiftung erhalten.

Märchenland ist das einzige Zentrum seiner Art in Deutschland und versteht sich als eine Institution für das traditionsgebundene und literarische Genre der Märchen, Sagen und Geschichten. Und nicht nur der aus Deutschland. Im vergangenen Jahr stand die Veranstaltung unter dem Motto "Vom Rio Grande bis Feuerland". 730 Veranstaltungen gab es, die an 300 Orten in Berlin und Brandenburg Märchen und Mythen aus Lateinamerika in den Mittelpunkt stellten. Silke Fischer glaubt fest an ihr persönliches Sommermärchen. Wird es wahr, kann Berlin europäische Märchenhauptstadt bleiben.