Verkehr

Bauarbeiten auf Bahnstrecke nach Hannover beginnen am Montag

Von kommendem Montag an müssen sich Reisende, die mit dem Zug von Berlin aus nach Hannover, Frankfurt/M. oder ins Ruhrgebiet fahren wollen, auf erheblich längere Fahrzeiten einstellen. Wie bereits angekündigt, beginnt die Bahn am 11. April mit der Sanierung der Hochgeschwindigkeitsstrecke nach Hannover.

Bis Ende August werden auf der erst zwölf Jahre alten ICE-Strecke mehr als 130 000 Schwellen ausgetauscht und rund 186 Kilometer Schienen erneuert.

Notwendig seien die Arbeiten durch die hohe Belastung der täglich von mehr als 20 000 Reisenden genutzten Bahnstrecke, heißt es. Über den Schienenstrang fahren jeden Tag bis zu 170 Züge mit einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 250 Kilometer pro Stunde. Diese Dauerbelastung mache eine Instandhaltung inzwischen dringend erforderlich. Um die Verbindung, die zu den wichtigsten im Netz der Deutschen Bahn zählt, nicht komplett lahm zu legen, wird während der fast fünfmonatigen Bauzeit immer ein Gleis weiterhin für den Zugverkehr zur Verfügung stehen. Allerdings können die ICE dann höchstens mit 120 statt der sonst üblichen 250 Kilometer pro Stunde durchfahren, was dazu führt, dass sich die Fahrzeiten deutlich verlängern werden.

Um wenigstens die Anschlüsse zu halten, fahren die Züge in Richtung Hannover/Braunschweig in Berlin jeweils um etwa eine halbe Stunde früher los. Derzeit legen die ICE die Strecke vom Berliner Hauptbahnhof bis zum Hannoveraner Hauptbahnhof in etwa 100 Minuten zurück, ab Montag werden sie etwa zwei Stunden und zehn Minuten benötigen.

Die Fahrzeit der ICE nach Frankfurt/M., Stuttgart und Basel verlängert sich laut Bahn um 35 Minuten. Der ICE-Sprinter, der täglich ohne Halt nach Frankfurt/M, unterwegs ist, fährt 20 Minuten eher los. Vom 20. Juni bis 27. August fällt dieses gerade für Geschäftsleute wichtige Zugangebot jedoch ganz weg.

Weil auch auf der Bahnstrecke Hannover-Bielefeld Gleise und Weichen erneuert werden, verlängert sich die Fahrzeit von Berlin nach Köln im Extremfall um bis zu eine Stunde. Auch die Teilung beziehungsweise die Wiedervereinigung der Züge in Hamm (Westfalen) entfällt während der Bauzeit. Fahrgäste nach Hagen und Wuppertal müssen in Hamm in andere Züge umsteigen. Laut Deutscher Bahn sind die baubedingten Auswirkungen inzwischen alle in die Fahrplanauskünfte im Internet eingearbeitet, sodass die Kunden sich rechtzeitig darauf einstellen können.

Die Erfahrungen mit anderen Bahn-Baustellen zeigen allerdings, dass auch die neuen Bummel-Fahrpläne schnell aus dem Takt geraten können. Die Bahn will daher auf den betroffenen Stationen entlang der Baustrecke zusätzlich Service-Personal einsetzen, die über eventuelle Verspätungen informieren. Außerdem gibt es ein kostenloses Bahnbau-Telefon: 0800/599 66 55.

Trotz der teils erheblich längeren Reisezeiten wird es nicht, wie von einigen Fahrgastvertretern gefordert, generelle Ermäßigungen bei den Ticketpreisen geben. Lediglich für Berufspendler soll es aus Kulanz Vergünstigungen geben. Inhaber von Jahres- oder Zeitkarten sollen etwa einen anteiligen Betrag erstattet bekommen, wenn sie während der Bauzeit nicht mit der Bahn fahren wollen. Alle übrigen Bahnkunden können wenigstens mit ein paar "kleinen Aufmerksamkeiten" rechnen. ICE-Reisende in der 1. Klasse bekommen "eine kleine Leckerei" und zusätzlich zu den Tageszeitungen ein erweitertes Leseangebot. Fahrgäste in der 2. Klasse erhalten montags bis freitags kostenlos eine Tageszeitung.

Die Sanierung der ICE-Trasse nach Hannover ist aber nur eines der großen Bauvorhaben der Deutschen Bahn in der Region. Insgesamt investiert das bundeseigene Unternehmen in diesem Jahr 570 Millionen Euro in Berlin und Brandenburg. Zu den weiteren Großprojekten zählen der Umbau des Bahnhofs Ostkreuz und der Ausbau der Strecke von Berlin nach Rostock. Im Dezember 2011 beginnt dann die Erneuerung von insgesamt 32 maroden Bahnbrücken zwischen den Bahnhöfen Grunewald und Wannsee. Ein Jahr lang werden dann keine Regionalzüge mehr auf direktem Weg von Potsdam nach Berlin fahren.