Fluggesellschaften

Gebühren für den neuen Flughafen BBI stehen jetzt fest

Für den neuen Hauptstadtflughafen BBI in Schönefeld stehen die Gebühren fest. Das Brandenburger Infrastrukturministerium genehmigte jetzt die Entgeltordnung, so wie sie die Flughafengesellschaft beantragt hatte. Dies sei ein "weiterer Meilenstein auf dem Weg zur BBI-Inbetriebnahme", hieß es am Mittwoch vonseiten der Flughafengesellschaft.

"Airlines und Flughafen bekommen mit der jetzt vorliegenden Genehmigung der Entgeltordnung wirtschaftliche Planungssicherheit", sagte Flughafenchef Rainer Schwarz. Die Entgeltordnung sei ein Kompromiss zwischen den Interessen des Flughafens und denen der Airlines. Der Flughafen könne kostendeckend arbeiten und jede Fluggesellschaft nun kalkulieren, was sie am BBI zu zahlen habe.

Die Lufthansa reagierte mit Kritik auf den Beschluss. "Die getroffene Entgeltregelung hat uns negativ überrascht. Sie bedeutet einen Schritt in die falsche Richtung und dies an einem Standort, der wie kein zweiter auf Wachstum angewiesen ist und hier großen Nachholbedarf hat. Die Regelung erschwert die Wachstumspläne der Airlines am Standort Berlin und stellt die Rolle des Airports als Jobmaschine infrage", sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber am Mittwoch. Mit der Erhöhung der Gebühren sieht die Fluggesellschaft die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens in Gefahr. "Fliegen nach Berlin wird dann teurer. Da überlegt man sich, ob sich das lohnt", sagte Weber. Die Erhöhung könne man nicht eins zu eins über die Ticketpreise an die Passagiere weitergeben, da es standardisierte Preise gebe.

Ob die Lufthansa gegen die neue Entgeltordnung Widerspruch einlegen will, ließ Weber offen. Die Frist, um Rechtsmittel gegen die Genehmigung der Entgeltordnung einzulegen, beträgt vier Wochen.

Der Barig, der Interessenvertretung aller in Deutschland tätigen Fluggesellschaften, lagen nach Angaben ihres Vertreters Rudolf Duckstein noch keine Informationen über die Genehmigung vor. Grundsätzlich aber seien die Gebühren "allemal zu hoch". Der Deutschland-Chef von Easyjet, Thomas Haagensen, begrüßte, dass der Flughafen die Bedürfnisse der Billigflieger in seiner Entgeltordnung berücksichtigt. Die Erhöhung der Gebühren sei aber "kein gutes Signal". Durchschnittlich sollen die Gebühren mit der neuen Entgeltordnung am BBI um fünf Euro pro abfliegenden Passagier steigen. Der Durchschnittserlös pro Fluggast liegt nach Informationen der Berliner Morgenpost bei über 20, aber unter 26 Euro. Das wären um die fünf Euro mehr an Entgelten, als derzeit in Tegel durchschnittlich erhoben werden, und mindestens 16 mehr als heute in Schönefeld.

Grundsätzlich sieht die neue Ordnung vor, dass Maschinen mit kurzen Standzeiten auf dem Flughafen und hoher Auslastung sowie Langstrecken- und Umsteigeverbindungen mit günstigeren Sätzen belohnt werden sollen. Für Flüge in den sogenannten Nachtrandzeiten zwischen 22 und 24 sowie 5 und 6 Uhr werden Lärmaufschläge berechnet. Zudem berücksichtigen die Entgelte auch Schadstoffausstoß und Lärm bei Start und Landung. Die Airlines müssen nur das zahlen, was sie auch am Flughafen nutzen. Für den Fall, dass es ein signifikantes Passagierwachstum geben sollte, kündigte der Flughafen an, kurz vor Eröffnung des BBI noch einmal mit dem Ministerium und den Airlines über die Höhe der Gebühren zu sprechen. Mit der neuen Entgeltordnung verpflichtet das Brandenburger Infrastrukturministerium den Flughafen, die Gebührenhöhe, gemessen am tatsächlichen Passagieraufkommen, ein Jahr nach dem BBI-Betriebsstart noch einmal zu überprüfen. Überdies muss der Flughafen spätestens zwei Jahre nach der BBI-Eröffnung einen Bericht vorlegen, ob eine erweiterte Lärmklassifizierung sinnvoll ist. Der BBI soll am 3. Juni 2012 öffnen.

Die Brandenburger Grünen werfen dem Infrastrukturministerium vor, Beschlüsse der Fluglärmkommission ignoriert zu haben. "Würde die Landesregierung das Gremium ernst nehmen, hätte sie die Entgelte in den oberen Lärmklassen drastisch erhöhen müssen", sagte Landeschef Benjamin Raschke.

Die Regelung stellt die Rolle des Airports als Jobmaschine infrage

Wolfgang Weber, Lufthansa-Sprecher