Nahverkehr

Wowereit: Mehr Sicherheit in der U-Bahn kostet auch mehr Geld

Nach den jüngsten Gewaltvorfällen in der U-Bahn hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) deutlich gemacht, dass die Fahrgäste für mehr Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr auch höhere Ticketpreise akzeptieren müssten.

Laut Wowereit müssten allein für den Einsatz von Sicherheitspersonal rund um die Uhr auf allen U-Bahnhöfen 2000 neue Stellen geschaffen werden. "Das kostet Millionen und könnte weder allein von der BVG noch vom Land Berlin bezahlt werden", sagte Wowereit der "BZ". Um einen solchen zusätzlichen Personaleinsatz zu bezahlen, müsste sich der Einzelfahrschein in Berlin um 30 Cent verteuern, so der Regierungschef.

Bei einem Überfall in Lichtenberg wurde Mitte Februar ein 30-jähriger Mann so schwer misshandelt, dass er lebensgefährliche Verletzungen davontrug. Danach forderten zahlreiche Politiker, dass auf den Bahnhöfen wieder deutlich mehr Personal präsent sein muss. Dazu könnte, so die Anregung, ähnlich wie in München auch über einen Sicherheitsaufschlag von zehn Cent pro Ticket diskutiert werden.

Doch zehn Cent mehr pro Fahrschein, so ergaben interne Berechnungen der BVG, würden bei Weitem nicht ausreichen, um auf allen 173 Berliner U-Bahnhöfen während der gesamten Betriebszeit Sicherheitspersonal einsetzen zu können. Die CDU wies Wowereits Vorstoß, für mehr Sicherheit die Fahrpreise im Nahverkehr drastisch zu erhöhen, umgehend zurück. Jahrelang habe der Senat an der Sicherheit der Fahrgäste gespart, nun sollen sie dafür extra zahlen. Die Abgeordneten Oliver Friederici und Robbin Juhnke erinnerten daran, dass der Senat erst vor einigen Jahren die gemeinsamen Streifen von Polizei und BVG-Mitarbeitern abgeschafft hat. Die jüngsten Vorfälle zeigten, dass es auf dem Gebiet der Sicherheit aber "dringenden Handlungsbedarf" gibt.

Bei der BVG selbst ist man nicht davon überzeugt, dass mehr Personal auf den Bahnsteigen am Ende auch die Sicherheit erhöht. "Wer die Videoaufzeichnung von dem Überfall in Lichtenberg gesehen hat, dem wird klar, dass auch Mitarbeiter im Bahnhof den Angriff nicht hätten verhindern können", so eine leitende Mitarbeiterin. Offiziell heißt es aus dem landeseigenen Unternehmen zum Thema Fahrpreiserhöhung nur, dass "konkrete Festlegungen zur Preisentwicklung bei einzelnen Tarifen und zu Terminen noch nicht getroffen wurden". Auch aus dem für Tarifbeschlüsse zuständigen Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) ist zu hören, dass "zurzeit nicht über Preiserhöhungen diskutiert wird".

Erst zum Jahreswechsel hatte der Verkehrsverbund die Preise für alle Fahrscheine im Nahverkehr um durchschnittlich 2,8 Prozent erhöht. In Berlin kostet der Einzelfahrschein AB seither 20 Cent mehr, nämlich 2,30 Euro. Eine Tageskarte kostet 6,30 Euro (vorher 6,10 Euro) und eine Monatskarte 74 statt 72 Euro.