Bildungspolitik

Rot-Rot weint Lenzen keine Träne nach

Die scharfe Kritik von FU-Präsident Dieter Lenzen an der rot-roten Hochschulpolitik hat von CDU und FDP Unterstützung erhalten. Beide Oppositionsfraktionen bedauerten, dass Lenzen möglicherweise an die Hamburger Uni wechselt. Dagegen machten Vertreter von SPD und Linken deutlich, dass sie dem bisherigen FU-Präsidenten keine Träne nachweinten.

Der wissenschaftspolitische Sprecher der Linken, Wolfgang Albers sagte: "Sicherlich hat er Verdienste um die Freie Universität. Aber er hat wohl vergessen, dass die Hochschulen ein Ort kritischer Reflexion sind und nicht nur für Verwertungsprozesse aus der Arbeit von Studenten stehen." Deswegen könne man ihm beim Kofferpacken helfen. "Er hat die alte Präsidialherrschaft hergestellt statt demokratische Strukturen zu fördern." Auch der SPD-Wissenschaftsexperte Lars Oberg fand kritische Worte. Lenzen habe den Senat als Gegner begriffen und nicht als Partner. Die Kritik an Rot-Rot könne er nicht nachvollziehen.

Angebot noch nicht angenommen

Der 61-jährige Lenzen war am Freitag zum neuen Präsidenten der Uni Hamburg gewählt worden. Er hat das Angebot bisher aber noch nicht offiziell angenommen. Im Morgenpost-Interview von gestern hatte er dem Senat riskante Kürzungspläne, fahrlässige Entscheidungen und Fehlkonstruktionen wie beim Charité-Konzern vorgeworfen. Besonders Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) erntete scharfe Kritik. Zöllner habe "ein völlig anderes Steuerungsverständnis von Hochschulen, als es, abgesehen von Ländern wie China, weltweit der Fall ist". Und die Kürzungen im Haushalt seien ja für die Einstein-Stiftung gedacht gewesen. Zöllner konterte die Kritik im "Tagesspiegel": "Ich hätte mir gewünscht, er hätte häufiger den gesamten Wissenschaftsstandort im Auge gehabt." Und er bezweifle, dass Hamburg bessere finanzielle Bedingungen bieten könne. Wegen besserer Perspektiven gehe Lenzen also sicher nicht nach Hamburg. "Aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man in diesem Alter durchaus noch einmal eine persönliche Herausforderung sucht."

Martin Sand, Sprecher der Senatsbildungsverwaltung, wies Lenzens Vorwürfe zurück: "Die Hochschulen haben eine relativ große Eigenständigkeit und eine in Verträgen festgeschrieben Planungssicherheit." Dazu komme, dass der Etat für die Berliner Hoch- und Fachhochschulen in den kommenden Jahren deutlich steigen werden. So sollen 2010 immerhin 53 Millionen Euro zusätzlich in die Wissenschaftseinrichtungen fließen, 2011 sogar 70 Millionen Euro mehr. Im Jahr 2012 würden es schon 103 Millionen Euro zusätzlich sein. Aufgrund dieser Erhöhung bei gleichbleibender Leistung, sehe er nicht die Unsicherheit, sagte Sand. Richtig sei, dass zusätzliches Geld für besondere Leistungen zur Verfügung gestellt werde. Dieses neue System der Hochschulfinanzierung solle Anreize für die Lehre und Forschung schaffen.

Auch die Kritik an der Ausstattung der Einstein-Stiftung ließ Sand nicht gelten. Sie gehe nicht zu Lasten der Hochschulfinanzierung, sondern komme aus einem eigenen Etat. Weder inhaltlich noch finanziell stehe die Einstein-Stiftung in Konkurrenz zu den Hochschulen. Zum Prozedere der Neubesetzung des Präsidentenpostens sagte der Sprecher der Bildungsverwaltung: "Ob die Öffentlichkeit bei der Wahl hergestellt wird, ist Sache der verantwortlichen Gremien."

Freie Universität gestärkt

CDU-Landes- und Fraktionschef Frank Henkel rief die Landesregierung auf, Bleibeverhandlungen mit Lenzen aufzunehmen, "um diese international hoch angesehene Kapazität in Berlin zu halten". Nur dank seines Einsatzes und seiner Autorität sei es möglich gewesen, dass die FU Eliteuniversität wurde. In seiner Kritik am Senat habe der Präsident im Übrigen Recht. "Die Wissenschaftspolitik dieses Senats fristet ein kümmerliches Dasein. Dabei sind die Hochschulen die Zukunft Berlins. Damit darf man nicht so umgehen", sagte Henkel.

FDP-Hochschulsprecher Mirco Dragowski sagte, der Senat habe mit der Kündigung der ausgehandelten Wissenschaftsverträge den Hochschulen "eine schallende Ohrfeige" verpasst. Lenzen habe die FU vorangebracht, indem er stark auf den Exzellenzwettbewerb setzte. Allerdings habe er auch nicht den Dialog mit allen gesucht. "Es ist schade, dass er geht. Aber die FU wird nicht führungslos sein." Bleibeverhandlungen gingen an der Sache vorbei.

Die Berliner Grünen wollten sich nicht äußern, dafür aber ihre Kollegen aus Hamburg: "Der Hochschulrat hat offensichtlich nicht das Geringste aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt", sagte die GAL-Vorsitzende Katharina Fegebank.